Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wollen Samsung und die Deutsche Telekom mit einem Robo-Arm beweisen, dass 5G-Mobilfunk die Zukunft ist. Nicht, weil 5G schön breitwandig ist, sondern weil es viel schneller auf Datenanfragen reagieren kann. Ein Roboterarm soll einen von zwei Bällen fangen. Fällt der silberne, greift der Roboter daneben. Fällt der rosafarbene, greift der Arm schnell genug zu.

Erklärung nach dem Break.

5G-Roboterspielchen

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Der silberne Ball wurde von einem per LTE verbundenen Sensoren getrackt, der rosafarbene von einem 5G-Netzwerk. LTE hatte im Versuchsaufbau eine Latenz von 25 ms, 5G eine von 0,75 ms. Insgesamt wurden allerdings nur 20 Kilobyte Daten übertragen.

Ultra Low Latency (ULL) ist das nächste große Ding für das Internet im Internet der Dinge und eine der spannendsten Funktionen im neuen 5G-Mobilfunk: Wie bekommt man ein Datenpaket in unter fünf, besser noch unter einer Millisekunde von A nach B - und was ist physikalisch überhaupt drin?

Klar ist, dass viele der wirklich schnell reagierende Datennetze, wie sie etwa im Verkehrsbereich, in der Industrie und eventuell irgendwann einmal in der Medizin* verwendet werden sollen, über Funknetzwerke realisiert werden müssen. Und zwar ohne, dass die Daten den Umweg über ein Rechenzentrum machen können. Das wiederum heißt: Viel Datenverarbeitung, Filterung und Optimierung wird von den jeweiligen Netzzellen und Verarbeitungs-Relais übernommen. Und das alles so schnell, dass die Latenz-Anforderung von weniger als fünf oder weniger als einer Millisekunde überschritten wird.

Kontroverse

Das ganze Thema 5G hat einen großen Haken und der heißt Netzneutralität. Wärend Festnetz-Internet durch Verbraucherkontrolle recht fair ist, ist Mobilfunk noch immer Provider-Wildwest: stark schwankenden Service-Qualitäten ("Ist das jetzt ein Funklock oder ein Verstoß gegen die Netzneutralität?"), hohe Preise, heftige Beschränkungen, schrecklich asymmetrische Upload/Download-Verhältnisse und letztlich fast freie Hand, was Diskriminierung von Inhalten angeht. Anstatt weiterhin auf die Netzneutralität des eh schon vernünftig geregelten und überwachten Festnetz-Internets zu fokussieren, sollten besonders diese zukünftig dominanten Datennetze stärker kontrolliert werden. Nicht, dass es letztlich zu einer Aushöhlung der Netzneutralität über die so genannten Spezialdienste kommt. Das sind Internet-ähnliche Dienste, die aber nicht Internet heißen - und dazu könnten Netzwerke gehören, die eine besonders geringe Latenz aufweisen. Solche Spezialdienste, das drohte Telekom-Chef Timotheus Höttges in einem kontrovers diskutierten Blog-Post an, könnte zum Beispiel die Telekom nur gegen Aufpreis an Unternehmen verkaufen, damit die "mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können".

Oder aufs aktuelle Beispiel heruntergebrochen: Von ULL werden wir als Kunden wahrscheinlich nichts mitbekommen. Wir werden uns nur beschweren, wenn eine App im Straßenverkehr nicht funktioniert, weil ihr Hersteller nicht das Geld für einen 5G-Sonderweg hat.

* Würdet ihr einem Krankenhaus vertrauen, das Daten über Luft überträgt?

 

Samsung zeigt mit Roboterarm, was 5G kann (,aber)