Bose beginnt heute mit der Auslieferung der QC 20, den ersten InEars des Unternehmens mit aktivem Noise Cancelling. Nach der Vorstellung der 300 Euro teuren Ohrstöpsel Anfang Juni, haben wir die letzten drei Wochen die InEars getestet: Unsere Eindrücke findet ihr hinter dem Klick.

Hands-On: Bose Quietcomfort 20

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Zwei Mikrofone sorgen im Inneren der QC 20 für die Unterdrückung der Umgebungsgeräusche. Das eine hört dabei immer nur auf den Lärm der Umwelt, das andere analysiert das anliegende Musiksignal. Aus diesen Informationen wird die jeweils adäquate Dämpfung berechnet. Das funktioniert bei den QC 20 sehr überzeugend. Schon wenn man die InEars einsetzt und noch gar keine Musik angeschaltet ist, ist der Straßenlärm so gut wie weg. Das ist jedoch kein sehr angenehmes Hörerlebnis und am ehesten vergleichbar mit Problemen mit dem Druckausgleich im Flugzeug im Landeanflug. Weit weg und dünn klingt die Umwelt, so dass man sich schnell an die Nase greifen will und die beim Ohrenarzt eingeübten K-Laute von sich geben will, wenn eine Erkältung das Hörvermögen beeinflusst. Also schnell Musik an. Jetzt passt alles. Die QC 20 garantieren einen praktisch ungestörten Sound-Genuss. Das Frequenzbild der Musik ist dabei fulminant und doch angenehm ausgeglichen. Kein übertriebener Bass, solide Mitten und sehr feine Höhen: verzerrungsfrei und rund.


Möglich macht das dieses kleine Kästchen, dass man ob fester Verkabelung immer dabei haben muss, wenn man sich für die QC 20 entscheidet. Im Inneren ist einerseits der Akku verbaut, andererseits die entsprechende Elektronik, die das Noise Cancelling bereitstellt und steuert. Ist diese Kontrolleinheit ausgeschaltet oder aber die Batterie leer (Laufzeit: rund 16 Stunden), verliert der Sound ein kleines bisschen an Brillanz, ist aber immer noch im oberen Drittel unserer InEar-Erfahrungen anzusiedeln. Kein Wunder: Denn man sich heutzutage entscheidet, für InEars ein wenig Geld in die Hand zu nehmen (gut, die 300 Euro für die QC 20 sind alles andere als ein wenig Geld), muss lange suchen, bis man ein Exemplar gefunden hat, das einen nicht kategorisch 24/7 mit Erdbeben-Bass und kreischenden oberen Mitten in die Zange nimmt.

Das Kästchen jedoch ist nicht ganz unproblematisch. Bose hat es zwar geschafft, es aus einem Kunststoff zu konstruieren, der sich unerreicht soft und kuschelig anfühlt (ein Hoch auf die Weichmacher!) und somit auch das Smartphone in der Hosentasche nicht zerkratzt, es aber nicht auch noch dabei haben zu müssen wäre irgendwie auch ganz schön geil. Dass Bose es nicht mit Steckverbindungen ausgestattet hat, ist nachvollziehbar, 150% praktisch ist es dennoch nicht.


Abzüge in der Verarbeitungsqualität gibt es bei der Fernbedienung/Freisprecher-Kombo. Von der fragwürdigen braunen Farbgebung abgesehen, macht sie alles andere als einen langlebigen Eindruck. Das Gehäuse lässt sich ohne großen Kraftaufwand verbiegen, das Kabel in Richtung Smartphone hat außerdem irritierend viel Spiel. Vielleicht ist das Absicht, so dass ruckartige Ziehbewegungen im kleinen Gehäuse abgefedert werden können, sehr vertrauensvoll wirkt die Konstruktion jedoch nicht. Bei einem Preis von 300 Euro für die QC 20 hätten wir hier mehr erwartet. An der Fernbedienung befindet sich auch die Taste für den Aufmerksamkeitsmodus. Drückt man das Knöpfchen, wird die reale Welt wieder an die Ohren durchgelassen.


Bei den eigentlichen Ohrstöpseln macht Bose das jedoch wieder wett. Kunststoff, ja, aber solide gebaut. Auch die Kabeleinführung ist fest ummantelt und dürfte nicht schnell brechen. Dank der StayHere+-Ohreinsätze sitzen die QC 20 wirklich vorbildlich im Ohr. Kein Drücken, kein Verrutschen. Es sind mit die ersten InEars, die wir getestet haben, deren Existenz man nach wenigen Minuten einfach vergisst.

300 Euro für InEars sind eine Investition, die gut überlegt sein will. Nicht die Spitze des Eisbergs, das fast vollständige Verschwinden der geräuschhaften Umweltverschmutzung um einen rum, ohne dabei einen fetten Bügelkopfhörer auf dem Kopf zu haben, sollte aber Argument genug sein, die QC 20 zumindest auszuprobieren. Zwei Versionen sind ab sofort erhältlich. Eine für iOS-Geräte optimierte (QC20i) und eine zweite für alle anderen Geräte. Preislich macht das keinen Unterschied.

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Review: Bose QC 20: InEars mit aktivem Noise Cancelling
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