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Review: HTC One mini


​Schrumpfen gehört zum guten Ton. Erst das große Smartphone, dann das kleine. Immer in dieser Reihenfolge. Wer ein HighEnd-Gerät auf den Markt bringt, fängt oben an, 4,7" oder mehr, darunter wird man nicht ernst genommen. Warum ist das eigentlich so? Wer hat diesen Standard festgesetzt und -geschrieben? Apple lacht sich tot, im Android-Land kämpft man mit Dingen wie schmaleren Display-Rahmen, Taktgeschwindigkeiten hinter dem Komma oder irren Namen für Features, die niemand braucht.

Schrumpfen heißt immer, Kompromisse einzugehen. Bis jetzt zumindest. Kleiner bedeutet auch immer: weniger. Von allem. Nicht nur vom Display, was ja nachvollziehbar ist. Das ist auch bei HTC und dem One mini so. Geringere Auflösung des Screens, weniger RAM, weniger Speicher, kein NFC, ein schwächerer Prozessor: Kleine Geräte sind praktisch immer eine Zweit- und Drittverwertung einer Entwicklung, einer Idee, die es auszuschlachten gilt. Samsung hat dieses Prinzip perfektioniert, einige sagen auch pervertiert. Zu so einer Klatsche fehlt HTC das Budget. Zum Glück. Denn wir brauchen nicht das mini, das mini wasserdicht, das mini surround, das mini mit Maxi-Zoom: Wir brauchen einfach nur ein Smartphone, dass auch in kleinere Hände passt und dabei verlässlich seinen Dienst verrichtet.

Das HTC One mini tut genau das.



Zwillingsbrüder
Das One mini wirkt im direkten Vergleich mit seinem großen Bruder kaum kleiner. Legt man sie neben- oder aufeinander (geht meistens schief, die abgerundete Rückseite beider Smartphones verhindert Langzeit-Kuscheln), fällt einem der Unterschied zwar auf, spürbar wird er jedoch erst, wenn man das kleinere Smartphone in die Hand nimmt. Das HTC One hat uns ausgesprochen gut gefallen, auch und gerade die Ergonomie des 4,7"-Telefons. Das mini schmiegt sich jedoch deutlich besser in die Handfläche. Dabei hilft nicht nur das kleinere Chassis, sondern vor allem der neue Rahmen aus Kunststoff, der die harte Technik noch weicher gestaltet. Nach knapp drei Wochen Hosentaschenleben können wir außerdem berichten, dass das gewählte Material ausgesprochen widerstandsfähig scheint; es sind keinerlei Abnutzungserscheinungen zu beobachten. Der Rest des Geräts ist uns vom sechs Monate älteren großen Bruder wohl bekannt. Stereo-Lautsprecher vorne, die Rückseite ist aus Aluminium.


Die benötigten Antennen sind in Form von weißen Kunststoff-Streifen in die Rückseite eingelassen. Einer dieser Streifen fehlt jedoch beim mini: der für NFC. Sei's drum. Auf dieses Feature verzichten wir gerne, so gut wie keine Nutzungs-Szenarien der Drahtlos-Technologie haben bislang den Sprung in die Realität geschafft. Der Blitz sitzt beim mini über der Ultrapixel-Kamera und nicht mehr daneben, ansonsten hat HTC lediglich das zweite Mikrofon anders platziert und das Beats-Logo in lebensbejahendem Steingrau und nicht wie sonst in rot auf die Rückseite gesprüht. Auf der rechten Seite ist die Lautstärkewippe zwei einzelnen Tasten gewichen. Das One und das One mini sind Zwillinge, die einfach ein bisschen anders gewachsen sind. Und da wir mit dem Design des One außerordentlich zufrieden waren, gehen auch hier unsere Daumen hoch. Hochwertig und langlebig, das ist unser Fazit. Und: Es ist der klar bessere Formfaktor.




Draufgucken
Das Display des HTC One mini ist mit 4,3" nicht nur kleiner, sondern löst auch niedriger auf. Letzteres entpuppt sich in keinster Weise als Problem. Der Super LCD2 Screen bietet kräftige Farben und mit und mit 341 ppi immer noch mehr als genug Bildpunkte. Text wird fein und klar dargestellt, das Display reagiert schnell und flüssig. 720p ist auf dieser Bildschirmgröße vollkommen ausreichend, das gilt mindestens auch für die Lebensdauer, die ein Smartphone heutzutage hat.


Gegen den direkten Konkurrenten, das S4 mini von Samsung, gewinnt das One mini beim Display klar nach Punkten. Samsung hat die Display-Auflösung auf qHD runtergefahren, eine deutlich drastischere Reduzierung der Auflösung im Vergleich zum großen Flaggschiff, und setzt außerdem auf Super AMOLED, eine Technologie, die dem Rezensenten persönlich einfach nicht gefällt. Ist Geschmackssache und 2013 keinerlei Aufreger mehr Wert. Lange lebe die friedliche Koexistenz.

Reingucken
Als uns HTC das One mini zum ersten Mal zeigte, flackerte das Unvermeidliche über den Flachbildfernseher an der Wand des Konferenzraums: Benchmarks. Ja, man habe beim Prozessor Abstriche machen müssen, schon aus Kostengründen, der Snapdragon 400 mit seinen zwei Kernen und einer Geschwindigkeit von 1,4 GHz sei aber ein Teufelskerl, gerade in Verbindung mit der GPU, einer Adreno 305, und die Benchmarks würden dies beweisen. Die Balken wiesen alle in die Höhe, überragten die Produkte der Mitbewerber. Keine weiteren Fragen also, oder etwa doch? Geht so. Denn auch wenn wir auf kalte Werte aus Benchmark-Tests in der Regel wenig geben, ist das HTC One mini eindeutig nicht so performant wie sein großer Bruder. Die Animationen sind nicht ganz so butterweich (kein Wort zum Scrolling unter Android!), Ladezeiten sind länger, schnelle Wechsel zwischen Apps dauern zum Teil genau den Tick länger, den man gerade vergessen und zu den Akten gelegt hatte. Meckern auf hohem Niveau, aber immerhin ein Meckern. Die Gründe? Weniger RAM (1 GB) und vielleicht auch Sense 5, HTCs Android-Oberfläche, die zwar in Sachen Skins mit zum Besten gehört, was wir bislang kennen gelernt haben, deren Features wir aber auch kaum nutzen. Allen voran BlinkFeed, die Nachrichten-Zentrale. Die zeigt seit dem Update auf Android 4.2.2 zwar noch mehr Informationen an, dezidierte Apps sind uns dennoch lieber. Was HTC von Software versteht, zeigt sich hingegen in der Kamera. Bevor wir dazu kommen, noch schnell die weiteren Unterschiede: Der interne Speicher ist uns mit 16 GB eindeutig zu klein bemessen. Ist 32 GB nicht der allgemein akzeptierte Sweetspot? Gerade wenn sich keine Speicherkarte einlegen lässt? Die 3,50 Euro wären gut investiert gewesen. Dass die Infrarot-Schnittstelle nicht mit an Bord ist, stört uns hingegen überhaupt nicht, auch wenn es sich hierbei wirklich um einen Cent-Artikel handelt.


Lächeln
Die Hauptkamera des HTC One mini ist bis auf die Ausnahme der optischen Bildstabilisation die gleiche wie im One, das im Frühjahr in den Handel kam. Megapixel? Sowas von gestern. HTC rechnet in Ultrapixel und verwendet faktisch weniger Pixel, die dafür aber deutlich mehr Licht einfangen und somit zu besseren Ergebnissen führen sollen, gerade bei schlechten Lichtverhältnissen. So ist die maximale Auflösung ungefähr vier Megapixeln gleichzusetzen, die verarbeiteten Informationen laut HTC aber um ein Vielfaches hochwertiger. Videos werden mit 1080p aufgenommen, HDR inklusive. Die Ergebnisse sind denen des großen One sehr ähnlich. Die generelle Qualität der Bilder und Videos ist in Ordnung, oft jedoch wirken die Ergebnisse weichgezeichnet und blass in den Farben: fast schon eine bewusste, künstlerische Entscheidung. Das Fehlen der optischen Bildstabilisation macht sich vor allem dort bemerkbar, wo man sich beim großen One besonders darüber gefreut hat: bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Ergebnisse sind deutlich besser als bei regulären Handy-Kameras, allerdings ist ein sehr ruhiges Händchen gefragt. HTC versucht den Wegfall durch Software zu kompensieren, was nur zum Teil gelingt. Mit gut durchdachtem Interface und Features wie HTC Zoe macht das Fotografieren mit HTC-Hardware immer noch großen Spaß. Einstellungen sind leicht zugänglich, die auf dem Gerät aus Videos und Bildern zusammengemixten Kurzfilme haben sechs neue Presets (die auch für das große One zur Verfügung stehen) und können erstmals auch mit eigener Musik versehen werden. Dieses Feature soll der große Bruder demnächst via Software-Update erhalten. Die 1,6-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite verliert im Vergleich ein bisschen Auflösung hinter dem Komma und - wichtiger - den Weitwinkel.




Durchhalten
Ebenfalls geschrumpft ist der Akku. 1.800mAh Kapazität stehen dem Nutzer zur Verfügung. Was im Endergebnis zu einem ähnlichen Durchhalten wie beim großen HTC One führt, ein Durchhalten, das wir im oberen Mittelfeld einordnen würden. Der kleiner Prozessor und vor allem das kleinere Display führen also zu keinen wirklich messbaren Verbesserungen, bzw. können durch den Akku nicht kompensiert werden. Während wir weiter oben in diesem Test bereits auf die Geräte-interne Performance kurz eingegangen sind, gibt es beim Mobilfunk nichts zu bemängeln. Das One mini funkt mit LTE und HSPA (bis 42 Mbps). Unsere Ergebnisse in der Berliner Innenstadt im Netz der Telekom waren dabei praktisch gleich, egal ob LTE oder 3G: Downloads zwischen 10 und 13 Mbps, Uploads zwischen 3 und 6 Mbps. Kurze Ausreißer nach oben (LTE: 18 Mbps) einbegriffen. Die Sprachqualität ist hervorragend, der generelle Empfang auf Augenhöhe mit anderen aktuellen Smartphones.

Abschied
Wir können das HTC One mini so gut wie ohne Einschränkungen empfehlen. Der Formfaktor ist perfekt, die Bedienung macht Spaß, die Features sind umfangreich, einige Alleinstellungsmerkmale inklusive. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Preis des Smartphones entwickelt, wenn es flächendeckend in Deutschland verfügbar ist. Der Listenpreis von 449 Euro ist dabei höchstens ein Indikator, aber kein realer Wert. Auf dem Papier ist das One mini preiswerter als das S4 mini, das aktuell ohne Vertrag jedoch schon für rund 360 Euro zu bekommen ist. Das große One sieht man mittlerweile in Berlin immer öfter, wir hoffen, dass das auch auf das mini zutreffen wird. Verdient hätte es HTC allemal.

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