Windows 8 Pro auf einem kompakten Tablet mit professionellen Hardware-Specs, das ist die Idee hinter dem Surface Pro. Mit ein paar Monaten Verspätung bringt Microsoft die professionelle Variante des Surface RT jetzt auch nach Deutschland. Wir konnten die 128 GB-Version kurz vor dem Launch in Deutschland am 31. Mai mit dem Type Cover und dem Touch Cover testen.

Surface Pro

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Übersicht
Das Surface Pro ist mit 14 Millimetern für ein Tablet reichlich dick und kantig, liegt aber trotzdem angenehm, wenn auch mit etwas über 900 Gramm ziemlich schwer in der Hand. Das Gehäuse aus einer Magnesium-Legierung wirkt sehr robust und ist solide verarbeitet, ein Teil des Rückens lässt sich in einem festen Winkel als Ständer für den Landscape-Modus abklappen. Der Prozessor ist ein Core i5-3317 ULV mit 1,7 GHz und 4GB RAM, wie man ihn auch in diversen Ultrabooks findet, die Grafikkarte eine Intel HD Graphics 4000. Als Speicher gibt es wahlweise eine 64 GB- oder eine 128 GB-SSD, auf der noch 83 GB Platz bleibt. Wer die Recovery-Partition löscht, bekommt nochmal 8 GB mehr. Die eingebauten Lautsprecher sind ordentlich für ein Tablet und bieten einen ausgewogenen Sound. Zu viel darf man natürlich nicht erwarten, aber dafür gibts ja auch einen Kopfhöreranschluss. Die Lautstärke lässt sich über eine Wippe auf der linken Seite einstellen. Der Lüfter ist zwar hörbar, wird aber auch bei hoher Prozessorbelastung nie störend laut. Als WLAN-Modul kommt ein Dualband-Modell von Marvell zum Einsatz, welches eine sehr gute Empfangsleistung hat und auch dort funktioniert, wo andere schon keinen Empfang mehr haben, ansonsten bietet das Surface Pro noch Bluetooth 4.0. Der Akku benötigt etwa drei Stunden, um voll aufgeladen zu werden. Mit 64 GB kostet das Surface Pro 879 Euro, die hier getestete Variante mit 128 GB ist für 979 Euro zu haben. Während der Stylus mitgeliefert wird, kosten Touch- und Type Cover extra (120 bzw 130 Euro).

Display
Das spiegelnde 16:9-Display mit 1.920 x 1.080 Pixeln ist 10,6 Zoll groß und reagiert schnell und genau auf bis zu zehn Finger. Es ist hell bei großer Blickwinkelunabhängigkeit, und die Kontraste und Farben sind gut. Durch das Seitenverhältnis bedingt wirkt der Bildschirm im Porträtmodus ziemlich schmal.

Anschlüsse
Neben einem vollwertigen USB 3.0-Anschluss bietet das Surface Pro überraschenderweise als Monitorausgang einen Mini DisplayPort. Dazu kommt ein Kartenleser für microSDXC, außerdem gibt es einen magnetischen Docking Port, an den Netzteil oder Stylus angeschlossen werden, sowie einen Magnetanschluß für die separat erhältlichen Touch- und Type Cover - die gleichen Cover übrigens wie für das Surface RT.

Software, Apps und Performance
Das App-Angebot für Windows 8 im Windows Store wächst zwar zusehends, ist aber im Vergleich zu Android und iOS immer noch äußerst überschaubar. Dieser Nachteil für Windows 8 RT-Tablets betrifft das Surface Pro nur bedingt, denn mit ihm lassen sich eben auch all jene Desktop-Apps nutzen, die kompatibel zu Windows 7 und 8 sind, und so steht einem der ganze Kosmos an Windows-Apps zur Verfügung.
Das Surface Pro ist in den Benchmarks deutlich schneller als herkömmliche Tablets (in Geekbench etwas mehr als doppelt so schnell wie das auch nicht gerade langsame iPad 4) und bewegt sich wegen seines Prozessors eher im Ultrabook-Bereich. Bildbearbeitung in Photoshop CS6, Arbeiten mit Office und das Spielen von PC-Games, die der Grafikkarte nicht das allerletzte abverlangen, sind absolut kein Problem, so dass man es durchaus als Laptop- und Desktop-Ersatz nutzen kann.

Kameras
Die Kameras sind unverständlicherweise ein großer Schwachpunkt, besonders wenn man sie für andere Zwecke als eine gelegentliche Videokonferenz nutzen will: Sowohl Front- als auch Rückkamera bieten lediglich 720p. Die Ergebnisse bei den Fotos und dem Testvideo sprechen für sich: es ist so gut wie unmöglich, Bilder oder Videos scharf zu bekommen, und auch Kontrast und Farben sind leider unterdurchschnittlich.

Surface Pro: Kamera-Testbilder

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Tastaturen und Stylus
Die Bildschirmtastatur kommt ohne Funktionstasten, lässt sich aber trotzdem gut nutzen und ist in zwei verschiedenen Grund-Layouts vorhanden: Einmal mit gleichmässig verteilten Tasten, einmal in drei Blöcke aufgeteilt, deren Größe man selbst bestimmen kann. Sie hat als akustisches Feedback ein Klackern und ist, da sie gut die Häfte der Displaygröße einnimmt, bequem zu bedienen.
Das dünne Touch Cover mit nur leicht erhobenen Tasten ohne Widerstand funktioniert recht gut. Das einzige Problem ist vielleicht, dass die Leertaste nicht abgesetzt ist, wodurch man sie des öfteren verfehlt. Haptisches Feedback gibt es natürlich nicht, dafür klappert der Surface Pro genau so wie die Bildschirmtastatur. Besser geeignet für längeres Texten ist das Type Cover mit richtigen Tasten, das aber verwindungssteifer sein könnte.
Als weitere Eingabemethode hat Microsoft dem Surface Pro einen Stylus mitgegeben, der mit Wacom-Technologie arbeitet, sehr genau reagiert und nicht zuletzt zur Navigation in nicht touchoptimierten Apps geeignet ist. Er läßt sich, wie schon erwähnt, anstatt des Netzteils ans Gehäuse klippen, was aber eher unpraktisch ist, denn wenn man das Surface Pro einpackt, fällt er garantiert ab. Für Notizen oder Skizzen ist er gut geeignet, und auch die Handschriftenerkennung funktioniert selbst bei eher grobmotorischer Eingabe zuverlässig - sogar wenn man anstelle des Stifts die Finger benutzt.

Surface Pro: Stylus & Tastaturen

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Bedienung
Das hochauflösende Touchdisplay lässt sich mit allen Apps, die für Touch unter Windows 8 optimiert sind, wunderbar flüssig und direkt bedienen. Die Bedienung der klassischen Desktop-Oberfläche via Touch ist wegen der hohen Auflösung allerdings extrem fitzelig: Selbst wenn man den Zoomfaktor auf 150 Prozent stellt, muß man bei einigen Programmen (etwa Photoshop CS6) extrem gut zielen, um die kleinen Schaltflächen zu treffen, von Menüeinträgen ganz zu schweigen. Da rettet der präzise arbeitende Stylus vor dem Bedienungs-Gau, denn mit ihm lässt sich glücklicherweise auch ohne Tastatur und Maus zielsicher navigieren. Bleibt zu hoffen, dass die Softwareindustrie in Sachen Touch-Anpassung für Windows 8 bald mal in die Gänge kommt, denn gerade Grafik- und Multimediabereich oder Audiosoftware sind für die Bedienung über einen Touchscreen eigentlich prädestiniert.

Surface Pro, Lenovo Yoga 13, iPad 4

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Mobilität und Alltag
Mit 900 Gramm Gewicht wiegt das Surface Pro deutlich mehr als jedes uns bekannte Tablet. Kommen dann noch Type-Cover und Netzteil dazu, hat man endgültig das Gewicht eines Ultrabooks erreicht.
Als Unterhaltungs-Tablet für unterwegs oder auf der Couch ist das Surface Pro deswegen weniger geeignet. Für die Nutzung als E-Reader ist vielen das große iPad schon zu schwer, das Surface Pro bringt nochmal 300 Gramm mehr auf die Waage, was sich beim Halten im Porträtmodus deutlich bemerkbar macht. In Sachen Mobilität kann es auch wegen der zu kurzen Akkulaufzeit nicht mit iPad, Nexus, Galaxy Tab und Co. mithalten.
Dafür ist das Surface Pro aber schnell genug für professionelle Anwendungen unter Windows 8 Pro und Windows 7: Selbst im Akkubetrieb, in welchem die Taktrate des Core i5-3317 nicht auf vollen Touren läuft, ist flüssiges Arbeiten kein Problem. Der ausgedehnte mobile Einsatz wird jedoch auch hier von der mit knapp vier Stunden (selbst bei runtergedimmter Helligkeit mit nur geringer Prozessorbelastung) kurzen Akku-Laufdauer ausgebremst. Alles in allem zeigt das Surface Pro aber durchaus deutlich, was mit Rechnern im Tablet-Format möglich ist, und wie praktisch es sein kann, einen sehr handlichen, aber trotzdem schnellen Rechner dabeizuhaben.

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