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Review: Samsung Galaxy Note 10.1


Gut Ding will Weile haben. Samsung hat sich ordentlich Zeit gelassen mit dem Verkaufsstart des Galaxy Note 10.1. Vorgestellt auf dem MWC im Februar, wollte man aber offenbar zunächst die Fühler ausstrecken, um zu testen, ob das Konzept des kleinen Bruders denn auch in noch größer funktionieren würde. Nachdem sich das Note mit 5,3"-Display aber zu einem Verkaufsschlager entwickelte, wird jetzt durgestartet. Das Note 10.1 steht bei uns in den Läden und Samsung hat an vielen Ecken und Enden nachgebessert, aufgebohrt, um das Tablet mit S-Pen noch attraktiver zu machen. Leider nicht an allen Stellen, das darf schon jetzt verraten werden. Unsere Review wartet hinter dem Break.




Hardware

Gute Nachrichten gibt es zunächst bei den verbauten Komponenten. Das Note 10.1 ist mit einem Exynos-Prozessor ausgestattet: Das bedeutet vier Kerne bei 1,4 GHz, ein deutlich Sprung nach vorne im Vergleich zur ersten Version, die Ende Februar den Journalisten gezeigt wurde. Außerdem kommen in neuen Tablet 2 GB RAM zum Einsatz, auch damit liegt Samsung vorne. Das Design folgt im Wesentlichen dem des Galaxy Tab 2, die Lautsprecher sitzen links und rechts vom Display. Auch was die Materialen angeht, bleibt sich Samsung - leider muss man hier sagen - treu. Das Tablet ist durch und durch Plastik. Ähnlich wie beim Galaxy S III ist der Metallrahmen lediglich ein Fake. Doch es fühlt sich weder billig an, noch lässt sich das Chassis verbiegen, außerdem ist das Note 10.1 mit knapp 600 Gramm angenehm leicht. Lediglich Inspiration lässt Samsung bei der Materialwahl vermissen.



Die Front-Seite wird dominiert vom 10.1"-Display, das lediglich mit 1280x800p aufgelöst ist. Hat Samsung die anderen wichtigen Bauteile wie Prozessor und auch das RAM während der Finalisierung aufgestockt, haben wir es hier leider mit einem 2011er-Standard zu tun. Mehr dazu weiter unten. Über dem Display finden sich die Videokamera (1,9 Megapixel) und der übliche Sensor. Auf der oberen Seite sind der An/Ausschalter, die Lautstärkewippe, der microSD- und der SIM-Slot verbaut. Weiter findet sich hier die Kopfhörerbuchse sowie die Infrarotschnittstelle, die das Note 10.1 zu einer universell einsetzbaren Fernbedienung macht. Auf der Unterseite befindet sich der Dockanschluss, der für das Aufladen des Tablets genauso benötigt wird, wie für die Verbindung mit dem Computer. Außerdem auf der Unterseite: Mikrofon und der Einschub für den S-Pen. Die Rückseite des Galaxy Note 10.1 gibt sich bei unserem Testgerät im Samsung-typischen weiß und bietet Platz für die 5-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und Autofokus.


Der S-Pen

An der Bedienung mit dem Stylus auf dem Galaxy Note 10.1 gibt es rein gar nichts auszusetzen, Samsung hat hier eindeutig die Nase vorn. Gerade im Vergleich zum iPad, für das auch immer mehr Stifte auf den Markt kommen, deren Einsatz aber immer nur eine Berührung durch den Finger emulieren. Die bei Samsung zugrunde liegende Technik stammt von Wacom, die Druckempfindlichkeit de S-Pen löst theoretisch in 1.024 Schritten auf. Ein großer Schritt in die richtige Richtung im Vergleich mit kleinen 5,3"-Note.


Doch leider ist auch hier nicht alles eitel Sonnenschein. Während sich mit dem 10,1 nun noch detaillierte Bilder auf dem Display anfertigen lassen, ist die Handschrifterkennung, die im Note 5.3 ganz ordentlich funktioniert, auf dem Tablet jenseits der dezidierten Apps leider verschwunden. Die Funktionalität des S-Pen reduziert sich damit im Wesentlichen auf die Programme, die Samsung für den Stift vorgesehen hat. Das ist vor allem S Note, die universelle S-Pen-App, die auf dem Note 10.1 ein paar neue Feature bekommen hat. So erkennt das Tablet zum Beispiel mathematische Formeln automatisch bei der Eingabe und formt aus dem eigenen Gekritzel Druckschrift. Warum? Um die Formel an den Browser zu übergeben und atomatisch eine Google-Suche zu starten. Mehr dazu weiter unten. Erkannt werden auch geometrische Formen. Ein Feature, das für Designer recht praktisch sein kann. Ob der schieren Display-Größe lässt sich mit dem S-Pen praktischerweise in einem Modus arbeiten, in dem das Tablet den Stift automatisch erkennt und nur auf ihn reagiert, nicht aber mehr auf die Hand, bzw. eher das Handgelenk. Bei so vielen Einstellungsmöglichkeiten wird S Note dabei nicht gerade intuitiver: Man muss sich an viele kleine Icons gewöhnen und lernen, mit ihnen umzugehen. Das klärt sich relativ schnell, dürfte all diejenigen, die so noch nie gearbeitet haben, aber auch abschrecken.


Der S-Pen hat im Galaxy Note 10.1 seine eigene kleine Parkbucht und lässt sich vollständig im Gerät versenken. Das Einrasten bzw. das Ausklinken des Stylus wird vom Tablet registriert und mit einem kleinen Sound quittiert (ausstellbar). Löst man den S-Pen aus dem Gerät heraus, poppt außerdem ein Menü auf, aus dem bestimmte Apps sofort erreichbar sind: S Note, S Planner (Samsungs Kalender-Alternative, die vom Design her eindeutig zu nah an Apple Kalender-App dran ist), Polaris Office, Photoshop Touch (vorinstalliert!) und Crayon physics. Leider lässt sich diese App-Liste nicht selbst bestücken, man kann sich nur zwischen der Samsung-Auswahl oder aber dem Auto-Start einer der Apps entscheiden.

Auf dem Galaxy Note 10.1 ist S Note und die Stift-Integration einerseits dank neuer Funktionalitäten einen guten Schritt vorangekommen, andererseits ist die Umsetzung immer noch nicht so überzeugend, dass es eine Revolution wäre. Die Umsetzung ist sehr gelungen, oft genug erweist sich der Einsatz des S-Pen am Tablet aber doch als irritierend.


Das Display

Mit Photoshop an Bord und verfeinerter Stiftbedienung einerseits und den klassischen Einsatzgebieten eines Tablets andererseits (lesen, Videos schauen etc.), liegt der Fokus auch beim Galaxy Note 10.1 natürlich auf dem Display. Wie eingangs schon erwähnt, hat sich Samsung hier entschieden, kein Upgrade vorzunehmen. Das Display hat 1280x800 Pixel und ist damit nicht auf der Höhe der Zeit. Bei mehr als ausreichenden Betrachtungswinkeln wirkt die Darstellung von Inhalten spröde und zerfasert. Das fällt nicht nur denjenigen auf, die mit dem aktuellen iPad arbeiten. Die Auflösung ist besonders bedenklich, wenn man sich vor Augen (sic!) führt, dass Samsung das Tablet u.a. als neues Tool für Kreative sieht, die von den zu wenigen Bildpunkten noch mehr enttäuscht sein dürften, als der durchschnittliche User. Und Apps wie Photoshop stellt man dadurch erst recht ein Bein. Der Prozessor könnte eine höhere Auflösung locker stemmen.


Android vs. Samsung

Das Galaxy Note 10.1 läuft mit Ice Cream Sandwich, wie bei jedem guten Barkeeper schmeckt es aber auch auf dem neuen Tablet ein bisschen anders. Ob man das mag oder nicht, ist reine Geschmackssache. Auffällig ist zunächst eine wirklich gute Idee: der Splitscreen.


Hier lassen sich einige Apps gleichzeitig betreiben. S Note und der Browser zum Beispiel, wenn man, wie oben beschrieben, weitere Informationen zu einer Formel einholen will. Unterstützt werden konkret: der Browser, E-Mail, Polaris Office, der Video Player und die Galerie. Schade, aber toll: E-Mail bedeutet Samsungs eigene App und nicht Gmail, und auch der Browser ist der von Samsung und nicht Chrome. Wie man auf einem Android-Tablet so kurzsichtig sein kann, bleibt ein Rätsel. Im Splitscreen-Modus zeigen sich außerdem leichte Performance-Schwächen. Aktiviert man das Doppel-Display, zeigen sich beide Apps nicht von ihrer besten Seite, werden spürbar langsam und reagieren mitunter erst nach einem zu langen Luftholen. Der Rest der Samsung-Bar ist TouchWiz durch und durch. Gut dabei ist, dass es Smart Stay vom Galaxy SIII auf das neue Note geschafft hat: Bei Aktivierung dimmt das Display erst dann, wenn die vordere Kamera kein menschliches Auge mehr wahrnimmt.


Auch Pop Up Play ist am Start: Videos lassen sich auch außerhalb der entsprechenden App zu jeder Zeit auf allen Homescreens platzieren und so weiter anschauen. Was auf dem Galaxy SIII schon einen gewissen Wow-Effekt hervorrief, macht auf einem Tablet dieser Größe natürlich noch viel mehr Sinn und ist ein gern genommenes Feature. Die Android-Statusleiste bietet immer die Möglichkeit für einen Screenshot und in einem kleinen App-Drawer verwaltet Samsung Programme, die von gewisser Wichtigkeit sind. Die Performance des Note 10.1 geht in Ordnung, löst aber das Versprechen des Exynos-Prozessors nicht wirklich ein. Im täglichen Gebrauch macht das Tablet keine Probleme, für teure 599 Euro in der Basis-Version wünscht man sich aber doch einen etwas offensichtlicheren Turbo: Understatement ist nicht alles.


Fazit

Das Samsung Galaxy Note 10.1 hinterlässt einen etwas unentschiedenen Eindruck. Die Integration des S-Pen ist eine tolle Sache, auch wenn die Software-Umsetzung und somit die Einsatzmöglichkeiten noch nicht ganz stimmen. Entscheidet man sich für ein iPad, bekommt man ein überlegenes Display für 120 Euro wenig weniger, aber auch im Android-Land gibt es mittlerweile Tablets, die für einen deutlich günstigeren Preis ähnliche Leistung bringen. Samsung ist auf dem richtigen Weg und vielleicht zeigt die Vorstellung des Note II auf der IFA schon den nächsten Schritt der S-Pen-Evolution. Wir können nur hoffen, dass das Note 10.1 davon via Software-Update ebenfalls profitieren wird. A propos Update: Die leichten Abzüge in der Performance-Note erledigen sich hoffentlich, wenn Jelly Bean noch in diesem Jahr zur Verfügung gestellt wird. Versprochen ist es ja.

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