Pixel-Overkill, nächster Teil: Mit dem MacBook Pro mit Retina Display bietet Apple nicht nur ein Laptop für den Pro-Sektor an, das lediglich so dick ist wie ein MacBook Air. Mit 2880x1800 Pixeln auf dem 15,4"-Display erreicht Cupertino 220 ppi. Deutlich weniger als beim aktuellen iPad, deutlich mehr als bei anderen Laptops. Mit mehr Pixeln kann man Screen-Arbeiter ja immer locken, wir haben uns das neue HighEnd-Laptop angeschaut.

Hardware
Apple hat uns das Basis-Modell des neuen Laptops zur Verfügung gestellt. Für einen Listenpreis von 2.279 € bekommt man einen 2,3GHz-i7-Prozessor, 8MB RAM, 256 GB SSD, neben der im Prozessor integrierten Grafikkarte von Intel (HD 4000) außerdem noch die GeForce GT 650M von NVIDIA mit 1 GB DDR5 RAM, eine Facetime-Kamera in HD, zwei Thunderbolt-Ports, zwei USB 3.0 Anschlüsse, erstmalig einen HDMI-Ausgang, einen Slot für SDXC-Karten und natürlich WiFi und Bluetooth (4.0). Das MacBook Pro lässt sich nach eigenem Gusto konfigurieren, dem die Spezifikationen des Einsteiger-Modells nicht reichen, kann bis zu 3.849 € auf den Tisch legen. Mit 2,02 Kilogramm Gewicht ist das neue MBP einen Tick leichter als die traditionelle Variante mit optischem Laufwerk und 13"-Display und rund ein halbes Kilo schwerer als die entsprechende 15"-Variante. Wer aktuell mit einem MacBook Air arbeitet oder einem ähnlichen Ultrabook wird das zusätzliche Gewicht deutlich spüren, wer sich dem Retina-Monster aus dem klassischen Notebook-Segment nähert, wird weniger schwitzen. Apple presst sämtliche Komponenten in ein 1,8 cm hohes Chassis, neben Wegfall des optischen Laufwerks und des Ethernet-Ports ist der größte Verlierer nicht nur der DVD- und Netzwerk-Junkie, sondern vor allem die Umwelt, Apple selbst nimmt dafür offenbar sogar Umsatzeinbußen in Kauf, wobei gute Lobby-Arbeit wie üblich einiges richten kann. Die Öko-Bilanz des Rechners ist und bleibt jedoch alles andere als nachhaltig. Erst die Smartphones, dann die Laptops, wir sind keine Fans dieser Politik. Immerhin ist man mit Ivy-Bridge-Prozessor, mindestens 256 GB SSD, einer starken Grafikkarte und der Pixel-Badewanne für ein paar Jahre technisch auf der sicheren Seite.


Die rechte Seite mit USB 3.0, HDMI und SD-Karten-Slot



Die linke Seite mit dem MagSafe-Adapter, 2 x Thunderbolt,
USB 3.0 und dem Audio-Connector
Natürlich darf man nicht unerwähnt lassen, dass der MagSafe-Stecker beim Retina-MacBook und bei den neuen Air-Modellen geschrumpft ist und man ohne Adapter (10 €) seine Netzteile nicht mehr einfach tauschen kann.

Das MacBook Pro setzt dem Design auf die klassische MacBook-Form und folgt nicht dem Teardrop-Design des MacBook Air.


MacBook Air vs MacBook Pro

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Das Retina Display
Vielleicht dauerte es länger, weil wir mittlerweile dank iPad und iPhone 4(S) und anderer Smartphones an hochauflösende Displays gewohnt sind, vielleicht hat es auch damit zu tun, dass einem ein Laptop einfach nicht so nahe kommt: Es brauchte einen Moment, bis die Begeisterung über die 2880x1800 Pixel wirklich einsetze. Und das trotz der Tatsache, dass uns das neue MBP mit 5,18 Millionen Pixel mit vier Mal so vielen Bildpunkten entgegenstrahlt als das letzte Modell. Das Problem dabei ist schnell erkannt: Während des beim iPad lediglich darum ging, die Apps mit neuen Grafiken zu versorgen, muss für das MacBook Pro eigentlich das gesamte Internet auf HD umrüsten. Während alle Apple-Programme das Retina-Display bereits unterstützen, ist Safari aktuell noch der einzige Browser, in dem einem selbst Text nicht auseinanderreißt.

links: Safari, rechts: Chrome

Das Anmelde-Fenster im Chrome-Browser
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis viele Apps auch das neue MacBook Pro via Updates entsprechend abdecken werden, ob das aber so schnell wie beim iPad passieren wird, bleibt abzuwarten. Dass das dritte Apple-Tablet ein Erfolg werden würde, daran gab es wenig Zweifel. Bei einem hochrpreisigen Laptop jedoch, werden viele Entwickler zunächst abwarten. Eine gute Gelegenheit für Apple, die Käufer des Laptops auch von den hauseigenen Apps zu überzeugen.

Für die Display-Einstellungen selbst hat Apple die entsprechende Systemeinstellung umgestellt und weiter vereinfacht. Anstatt unterschiedliche Auflösungen anzubieten mit konkreten Pixelzahlen, muss man sich zunächst zwischen "optimal für Retina Display" oder eine skalierte Lösung entscheiden.


Und möchte man selbst Einfluss auf die Darstellung nehmen, stehen einem fünf Varianten zur Verfügung.


So lässt sich die Darstellung z.B. in 1024x640er-Auflösung emulieren oder auch in 1920x1200. Interessant dabei, dass die Screenshots, die man in diesen Modi anfertigt, deutlich höher auflösen.


Performance
Beim täglichen Arbeiten mit dem MacBook Pro hatten wir rein gar nichts auszusetzen. Geekbench quittierte unser Testgerät mit einem Wert von 12041, egal was wir dem Laptop zumuteten, wurde problemlos erledigt. HD-Videos machen auf dem Retina Display natürlich einen brillanten Eindruck, der Rechner läuft dabei leise und auch die Wärmeentwicklung bleibt im Rahmen. Apple hat neue Ventilatoren verbaut, die leiser laufen sollen. Das stimmt, wenn die Lüfter anspringen merkt man es aber dennoch. Es ist mitnichten so, dass das Laptop egal wobei auf lautlosen Pfoten daherkommt. Und natürlich ist ein gewisses Einrosten zu erwarten, je länger man den Rechner im Einsatz hat, man kennt das ja. Die von Apple angesagten sieben Stunden Laufzeit des verbauten Akku mit 95 Wattstunden scheinen nicht übertrieben. Interessant, dass Apple die automatische Abschaltung des Displays ab Werk auf ein Minimum eingestellt hat: Bei einem derartigen Screen zählt jede Sekunde. Die Lesegeschwindigkeit des SSD liegt bei rund 440 MB/s, die Schreibgeschwindigkeit bei rund 400 MB/s. Kein Grund zur Klage also.




Fazit
Das MacBook Pro mit Retina Display ist ein Nischenprodukt. Noch. Denn Apple geht mit dem neuen Laptop den Weg, der in der gesamten Branche bereits vorgezeichnet ist. Die Errungenschaften, die mit den Ultrabooks endlich den Massenmarkt erreichen - SSD, dünne Gehäuse - mit den Features zu verbinden, die die Power-User brauchen. Sehr schnelle Prozessoren, lange Batterielaufzeit und hochauflösende Displays. Mit dem MacBook Air hat Apple vorgemacht, wie man bei hoher Mobilität keine Kompromisse bei der Performance in Kauf nehmen muss. Natürlich hat das eine Weile gedauert. Wenn wir uns an das erste MacBook Air erinnern, bei dem SSD lediglich eine fast unbezahlbare BTO-Option war und mit einer Festplatte auf iPod-Niveau ausgeliefert wurde, wird das mehr als deutlich. Das Retina-MacBook hat diese Kinderkrankheiten nicht, und mit einem Preisunterschied von 400 € im Vergleich zum 15"-Modell ohne HD-Display dürften viele Käufer vor einem kleinen Dilemma stehen, ähnlich dem, das Apple mit einer ähnlichen Preispolitik für das 17"-MacBook kreierte. Schnee von gestern: Das 17"-Laptop ist genauso Geschichte wie mittelfristig das optische Laufwerk und die klassische Festplatte. Wenn die Software-Entwickler ihre Apps für das Display updaten und man auf ein 15"-Display nicht verzichten will, wäre unser Rat im Moment, sich für das Retina-Modell zu entscheiden. Auch DVDs sind ja irgendwie schon längst dead media. Und wenn wir unser Orakel anwerfen, ist unsere Prognose folgende: Spätestens Mitte nächsten Jahres hat Apple keinen Rechner mit optischem Laufwerk und traditioneller Festplatte mehr im Angebot. Das wird bei anderen Herstellern nicht wirklich anders laufen, wenn auch vielleicht mit einer längeren Ausschwingphase. Die Windows-Welt setzt längst auch auf immer bessere Displays, so erlaubt uns Apple hier einen Blick auf die Laptop-Technik der Zukunft und kann am Ende wieder sagen: Erster! Das ist zwar schön, aber nicht relevant. Wichtiger ist das mit der Zeit: Die vergeht schneller denn je, wie wir alle wissen, gerade in der Technik-Welt. Spätestens auf der CES im Januar, da sind wir uns sicher, werden die Karten neu gemischt und das Hinterherrennen geht los.

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Review: Apple MacBook Pro mit Retina Display
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