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Review: Huawei Ascend P1


Der Sturm auf Europa, er geht schleppend voran. Zwar hat Huawei schon einige Smartphones auf dem deutschen Markt, beim HighEnd-Gerät müssen wir uns wohl noch bis Oktober gedulden und auch das Ascend P1 hätte schon seit einiger Zeit erhältlich sein sollen. Vorgestellt hatte Huawei das Smartphone schon auf der CES im Januar. Aber Moment. HighEnd vs Ascend P1? Keine Gleichung, die aufgeht. Das Handy mit Android 4.0, seit dieser Woche bei uns erhältlich, macht so gut wie alles richtig und ist ein beeindruckend leichtes Stück Power-Hardware. Ohne Schnickschnack, mit viel subtilem Charme. Wir haben uns das Dual-Core-Smartphone für euch angeschaut.

Die Hardware
Mit 110 Gramm Gewicht und einer Dicke Dünne von 7,69 Millimeter muss sich das Huawei Ascend P1 vor der Konkurrenz nicht verstecken, im Gegenteil: Dank der Kunststoff-Konstruktion fühlt sich das Smartphone herrlich leicht an und wirkt doch wertig verarbeitet. Plastik ist eben schon lange nicht mehr Plastik. Das P1 hat eine andere Haptik als ein Lumia von Nokia oder das One X von HTC mit ihrer Polycarbonat-Konstruktion, das Softtouch-Finish der schwarzen Version des P1 hat aber ähnliche Handschmeichler-Qualitäten. Die treffen übrigens nur auf die schwarze Variante zu: Beim weißen Modell sollte man keine schwitzigen Hände haben, wie sich die rote Metallic-Variante anfühlt, können wir aktuell nicht überprüfen. Beim P1 ist der Übergang zwischen Kunststoff und dem Gorilla-Glas markant fließend, mit viel unsichtbarem Zen vermengt und wenn man denn um die Frage nicht herumkommt, an welches andere Smartphones das P1 denn nun erinnert, dann am ehesten an das RAZR von Motorola, Kegelform und Kamera-Hügel inklusive.


Gehen wir einmal rundrum. Vorne prangt das 4,3"-Display in qHD-Auflösung und Super-AMOLED-Technik. Ja, es ist ein Pentile-Screen, Subpixel sind aber nicht wirklich ein Problem und die Farben nicht ganz so intensiv wie bei vergleichbaren Displays. Zum Glück. Es ist und bleibt eine Geschmacksfrage, ich würde mich aber immer für ein LCD entscheiden. Mit der qHD-Auflösung von 960x540p ist man zwar auf der soliden Seite, Fortschrittspreise lassen sich mit dieser Pixeldichte aber nicht mehr gewinnen. Ebenfalls auf der Frontseite ist die 1,3-Megapixel-Kamera für Videotelefonie. Darunter befinden sich die Android-Knöpfe. Huawei setzt weiterhin auf omnipräsente Navigationshilfen und folgt damit zum Beispiel HTC und der One-Serie, aber auch Samsung, die sich beim Galaxy S III von zumindest einem Home-Button nicht trennen wollten. Wenn wir ehrlich sind, heißt das schlicht und einfach, dass Googles Design-Richtlinien von den meisten Herstellern ignoriert werden. Die andere Erklärung ist natürlich, dass das Smartphone schon in der Entwicklung war, als an Ice Cream Sandwich noch nicht einmal zu denken war. Denn die Symbole sind Android 2.3 durch und durch.

Auf der linken Seite befindet sich die Lautstärke-Wippe, rechts der Ein/Ausschalter und der Steckplatz für die Speicherkarte. Oben lassen sich die Kopfhörer einstecken, das microUSB-Kabel und die SIM-Karte. Das P1 wird mit einer regulären SIM betrieben, das kleine Türchen ist allerdings alles andere als stabil und vertrauensvoll. Die SIM selbst wird durch einen Federmechanismus gehalten. Plant ein paar Minuten Zeit ein. Unten ist die Aussparung für das Mikrofon, hinten befindet sich die 8-Megapixel-Kamera die doppeltem LED-Blitz, außerdem ein zweites Mikrofon für das Herausfiltern von Umweltgeräuschen. Weiter unten ist der Lautsprecher untergebracht. Der ist amtlich laut und dabei nicht einmal unangenehm. Im Gegenteil: Liegt das P1 auf dem Tisch mit dem Display nach oben, entwickelt sich ein beeindruckender Sound, der im Bass natürlich schwächelt, sonst aber erstaunlich ausgeglichen und rund klingt. Huawei setzt beim P1 auf Dolby-Technologie, in einem Smartphone scheint uns das das beste Loudness-Preset aller Zeiten, ohne Verzerrungen aller Art. Schaltet man Dolby aus - das geht ganz einfach im Musik-Player -, ist das P1 in Sachen Lautstärke auf Galaxy-Nexus-Niveau, das bekannter Weise alles andere als laut daherkommt. Das ist wichtig zu wissen, denn ähnlich wie Beats Audio bei HTC-Telefonen in der Frühphase der Zusammenarbeit, lässt sich Dolby nur in der Huawei-eigenen Musik-App zuschalten. Wer sich also Rdio, Spotify und Co auf den Tisch legt, bekommt relativ dünnen Sound zurück.

Was wir nicht sehen, ist der 1.800mAh-Akku, den 1,5GHz-Doppelprozessor von TI, GPS, WiFi und Bluetooth 3.0. Der Akku lässt sich nicht tauschen.

Software
Skin oder nicht!? Für viele Android-User ist das die entscheidene Frage, bestimmt sie doch oft genug über den Update-Zyklus der Software. Huawei regelt das absolut vorbildlich. Beim ersten Hochstarten landet man in einem Ice Cream Sandwich, das fast zu 100% der Google-Version entspricht.

Der Lockscreen ist abgewandelt und bietet den Direkteinstieg zum Homescreen, zur Kamera, zum Telefon-Modul oder zu den Nachrichten. Ausgesprochen praktisch. Und wer ICS in seiner puren Form kennt, wird es zu schätzen wissen, dass Huawei keine bunten Icons, Bloatware und sonstige Übertreibungen platziert. Einzig beim virtuellen Keyboard konnte sich der Hersteller nicht verkneifen, eine Entscheidung für den User zu fällen. Die lässt sich jedoch durch einen Klick korrigieren.


Huaweis Tastatur erinnert sehr an das Sense-Keyboard von HTC, verschiebt die Standardumschalter und verwirrt nicht nur den ICS-Profi.


(links: Googles Keyboard, rechts die Huawei-Variante)


Das Ascend P1 ist natürlich dennoch mit einer kompletten Skin ausgestattet. "3D Home" fühlt sich an wie ein Sprung in eine Zeit, in der Tron die Zukunft markierte und ist nicht weiter erwähnenswert, zumal die Performance des Smartphones merklich ausgebremst wird.


Die ICS-Funktionen regelt Huawei auf dem P1 auf seine eigene Art. Ein langer Druck auf den Home-Button aktiviert das Multitasking, der Rest erklärt sich von selbst. Clever, dass die Menü-Taste auch sofortigen Zugriff auf die Systemeinstellungen erlaubt. Außerdem kann man dort drei unterschiedliche Grundthemen auswählen, die vor allem das Hintergrundbild ändern, aber auch die Icons tauschen für den Dialer, SMS und das Menü.


Die Kamera
Mit 8 Megapixel und einem BSI-Sensor ist die Kamera des Huawei Ascend P1 auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Die Bildqualität bewegt sich im oberen Mittelfeld, sticht jedoch nicht besonders heraus. Bei gutem Licht waren wir sehr zufrieden, bei beginnender Dunkelheit sind die Ergebnisse entsprechend angerauscht. Der Autofokus ist nicht der schnellste, bei schwierigen Lichtverhältnissen jedoch nimmt die Warterei mitunter skurrile Formen an. Nicht immer, aber doch immer wieder. Das alles lässt sich verschmerzen und klingt vielleicht schlimmer als es tatsächlich ist, zusammenfassend gilt jedoch: Es gibt schnellere und bessere Kameras in Smartphones heute. Sehr positiv fallen die Filter und Bearbeitungsmöglichkeiten auf, die uns großen Spaß bereitet haben. Die Voreinstellungsmöglichkeiten der Kamera sind umfangreich und sehr ausgewogen. Video-seitig macht das P1 ebenfalls einen guten Eindruck. Die 1080p-Filme laufen flüssig, geben die Farben gut wieder, der Sound ist anständig.





Performance
Entscheidet man sich nicht für die in 3D animierte Skin, sondern "beschränkt" sich auf Stock-Android, ist die Performance des Huawei Ascend P1 absolut vorbildlich. Der TI OMAP 4460 in Verbindung mit dem PowerVR SGX 540 für die Grafik - die gleiche Kombination wie im Galaxy Nexus, allerdings mit 300 MHz mehr - macht das Smartphone zu einem kleinen Powerhouse. Der 1.800mAh-Akku stellt außerdem sicher, dass das P1 lange durchhält. Anderthalb Tage waren in unseren Tests kein Problem, eine steckdosenfreie Zeit, die man von einem derartigen Leichtgewicht nicht auf den ersten Blick erwarten würde. Huawei selbst spricht von der langjährigen Erfahrung mit der Optimierung von Geräten in Netzwerken. Das stellen wir nicht in Abrede, natürlich wird aber auch getrickst. So legt sich das WiFi immer wieder schlafen, was sicher auch einen spürbaren Spar-Effekt hat. Im Alltag hat das keinerlei Auswirkungen, denn der Empfang kehrt sofort zurück, wenn man das Telefon aus dem Standby zurückholt. Allerdings wird man ab und zu, gerade, wenn man mit der Kamera Bilder oder Videos machen will, mit einem Warnhinweis konfrontiert, dass die WiFi-Verbindung unterbrochen worden sei. In Sachen Empfang konnten wir im Telekom-Netz keinerlei Unterschiede zu anderen Telefonen feststellen, auch die Sprachqualität geht in Ordnung.


Das Huawei Ascend P1 geht für einen Listenpreis von 449 Euro in Deutschland an den Start. Der Erfolg des rundherum gelungenen Icecream-Sandwich-Smartphones dürfte vor allem davon abhängen, ob die Mobilfunker mit einsteigen und das Handy subventionieren. Wir hoffen, dass das der Fall sein wird. Nicht nur, weil Huawei Android 4.0 praktisch in Reinform auf ein Smartphone bringt. Das P1 überzeugt mit feinem Design, soliden Komponenten und bringt frischen Wind nach Android-City, einen Wind, der sich mit dem Honour bereits angekündigt hatte. Von den Einsteiger-Modellen mal ganz abgesehen.

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