Smartphones? Not for everyone, ist ja auch eine Kostenfrage. Wer nur telefonieren will oder die SMS-Flatrate im Lotto gewonnen hat, kommt gut hin mit einem HandyHandy. Verzichten muss man so natürlich auf die Apps, diese verdammten Dinger, von denen alle reden, die das Leben so kurzweilig machen, so nützlich sind, bei denen man, trotz Datenvolumen-Phobie auf der SIM-Karte, dabei sein will, zumindestens mal reinschnuppern möchte, in die Welt der Androiden, Windows Phones und iOS-Geräte. Das sind die Menschen, denen Apple den iPod touch, Samsung den Galaxy S WiFi verkauft. Denen, und Kindern, die zocken, youtuben, skypen und whatsappen wollen. Und natürlich Musik hören. Das besorgte früher der Walkman, dann der Discman, heute der PMP. In seine Smartphones hat Sony die Walkman-Marke bereits eingebaut, die digitalen Versionen des portablen Musikgeräts sind ebenfalls längst kleine Kommunikationswunder. Und mit dem NWZ-Z1000 geht jetzt ein Schlachtschiff an den Start, das auch ein Smartphone sein könnte, hätten die Entwickler dem Gerät nur den entsprechenden Chip spendiert. Es ist Sonys erster Walkman mit Android. Auf der IFA in Berlin im September 2010 zeigte der Hersteller den portablen Multimedia-Alleskönner zum ersten Mal, allerdings vor allem hinter Glas. Noch nicht ganz fertig sei der neue König der Walkman-Familie, hieß es damals. Das hat sich jetzt - zumindest zum Großteil - geändert, im Februar kommt der NWZ-Z1000 bei uns in den Handel, für die 16GB-Variante werden 269 Euro fällig, 309 Euro für 32GB. Zum Vergleich: Apples iPod touch mit 32GB kostet lediglich 289 Euro. Über einen Kampfpreis will sich Sony also nicht in diesem Marktsegment positionieren. Womit dann? Wir versuchen es, herauszufinden. Unsere Review wartet hinter dem Klick.


Hardware

Der Sony NWZ-Z1000 ist ein ziemlicher Klopper. Mit seinem 4,3"-Display (800x480p, WQVGA-Auflösung mit beeindruckenden Betrachtunsgwinkeln) spielt der Walkman am unteren Ende der derzeitigen Smartphone-Oberliga mit. Und auch der Rest der Hardware-Komponenten entspricht dem, was heutzutage gerne noch in schlauen Telefonen verbaut wird. Der Tegra-2-Prozessor mit 1GHz Geschwindigkeit und die 512MB RAM machen den Z1000 zu einem zeitgemäßen Android-Gerät. Der Z1000 wiegt 156 Gramm, verfügt über WiFi, Bluetooth, GPS, DLNA und kann außerdem via HDMI-Kabel Inhalte auf Fernsehern darstellen. Mit dem Rechner kommuniziert der Z1000 nicht über ein Standard-USB-Kabel, sondern mit Hilfe eines proprietären Steckers. Auf der ungewöhnlich geformten Hardware befindet sich oben der An/Aus-Schalter, auf der rechten Seite die Lautstärke-Wippe, ein dezidierter Walkman-Knopf, der den schnellen Zugang zum Musik-Player bietet und die HDMI-Buchse. Unten findet sich die Kopfhörer-Buchse und der schon erwähnte proprietäre Anschluss für die Rechner-Verbindung. Auf der Hinterseite findet sich lediglich der Lautsprecher (dazu später mehr).

Sony Z1000 - Ports

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Kameras, ob für Bilder, Videos oder auch nur ein kleines VGA-Guckloch für Videochats sucht man beim Z1000 vergebens. Sony verspricht 14 Stunden Musikwiedergabe und fünf Stunden Video-Playback. Wir konnten uns über die Laufzeit des Z1000 in keinster Weise beschweren, bevor uns die Ohren bluteten, haben wir den exemplarischen Test jedoch abgebrochen. Über die konkrete Kapazität des Akkus lässt uns der Hersteller leider im Dunklen. Vom Nutzer austauschbar ist er auch nicht.


Musik aus

Schauen wir zunächst auf die Android-Performance. Auch wenn es uns mittlerweile schwerfällt, den Schritt von Ice Cream Sandwich zurück zu Gingerbread zu machen, haben wir lange kein Android-Gerät mehr ausprobiert, bei dem das Google-OS derart butterweich lief. Vor allem die Browser-Performance hat die Redaktion ausgesprochen beeindruckt.



Kein Stottern, kein Karo-Rendering, smoothes Scrollen, perfekte Ladezeiten, auch bei umfangreichen Seiten. Ähnlich perfekt präsentiert sich der Z1000 in anderen Apps. Sony lässt Android weitestgehend in Ruhe und das ist genau die richtige Strategie. Ähnlich wie bei den Android-Tablets finden sich jedoch auch auf dem Z1000 einige spezielle Apps, die die Bedienung bestimmter Funktionalitäten erleichten soll. Konkret geht es um einen speziellen Musik-Player, den Video-Player, eine eigene Galerie-Anzeige, ein UKW-Radio, ein DLNA-Helferlein, spezielle Touch-Controls für die Musikwiedergabe, natürlich den Sony-Store und einen WiFi-Prüfer. Der Rest ist Stock Android. WiFi ist dann allerdings genau das, was uns bei unserem Testgerät einige Sorgen macht. Unser Z1000 ist ein Vorseriengerät, hier ist also noch nichts in Stein gemeißelt. Die Verbindung zum Router riss jedoch immer wieder ab. Die WLan-Anzeige auf dem Homescreen verschwand. Und kehrte entweder nach ein wenig Warten zurück oder aber auch nicht. Dann muss der Z1000 neu gestartet werden, was natürlich lästig und unschön ist. Als Grund vermuten wir, dass Sony, um den Akku zu schonen, die WiFi-Funktionalität im Ruhezustand des Geräts abschaltet. Ein ähnliches Phänomen bemängelten auch Kollegen, die sich die neue Bloggie-Kamera von Sony auf der CES angesehen haben. Das führt das Konzept der Push-Nachrichten, an die wir uns in Zeiten von GMail, Facebook etc. so gewöhnt haben, ad absurdum. Kopfkratz in Zeiten der ewigen Konnektivität.



Musik an

Wir hatten bereits erwähnt, dass der Z1000 nicht gerade ein schlankes Gerät ist: 11,1mm ist es dick. Der aktuelle iPod touch ist mit 7,2mm deutlich dünner, selbst das iPhone 4S mit 9,3mm oder das Galaxy Nexus von Samsung mit 8,9mm sind flacher.

Sony Z1000 vs Apple iPod touch

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Der Z1000 ist in seiner latenten Knubbeligkeit aber dennoch sehr elegant und vor allem alles andere als schwer. Eher wertig und eine Design-technische Ansage im alltäglichen Allerlei. Grund für die paar extra Millimeter könnte der Lautsprecher sein, mit dem der Z1000 ausgestattet ist, der einfach Korpus braucht, um den versprochenen Klang auch zu liefern.


Im Inneren des Z1000 werkelt ein S-Master MX Verstärker mit xLOUD-Technologie, die die laute Wiedergabe von Musik auch bei kleinen Speakern gewährleisten soll. Der Klang des eingebauten Lautsprechers? In Ordnung. Irgendwann hat man die sich für beste Kombination aus den Presets gefunden, die die Lieblingsmusik am besten wiedergeben.


Denn der Z1000 ist randvoll mit Software-seitigen Algorithmen, die den Klang optimieren sollen. Fünf Surround-Simulationen (Studio, Club, Live, Stadion und Matrix), DSEE für die Betonung der hohen Frequenzen, Clear Stereo für ein übersprechungsfreies Stereobild, einen dynamischen Normalizer für die Anpassung von unterschiedlichen Lautstärken und ein Equalizer mit bereits installierten Presets bieten eine Fülle von Möglichkeiten. Dazu kommen xLOUD und Clear Phase, die den klang des internen Lautsprechers im Blick haben. Die Kombinationsmöglichkeiten sind in ihrer Vielfältigkeit fast schon verwirrend.


Legt man den Z1000 einfach auf den Tisch und lässt ihn dudeln, lässt sich der Klang aber durchaus ertragen und ist dem vieler Smartphones um einiges voraus. Ein gemeinsames Essen oder eine Sofa-Runde lässt sich so aber nicht wirklich beschallen, auch wenn Sony Wert darauf legt, dass das dank xLOUD-Technologie alles kein Problem sei. Unter dem Kopfhörer, in unserem Fall den mitgelieferten Ohrhörern der EX-Serie, machen die Klangverbesserer dann schon deutlich mehr Sinn, wobei auch hier attestiert werden muss, dass vor allem die Surround-Presets am Ziel vorbei erdacht wurden. In Punkto Qualität passt alles, wie die Musik klingen soll, überlassen wir aber doch lieber den Musikern und den Studiotechnikern. Der Schub für die hohen Frequenzen z.B. ist aber sehr gerne genommen und führt zum gewünschten, transparenteren Ergebnis. Will man unbedingt beim Musikhören auf das Display schauen, kann man Sonys Visualisierungen nutzen, die fein aussehen und deren Prinzip hinlänglich bekannt sein dürfte. Die Musik kann außerdem in SensMe-Kanäle gestopft werden, die für bestimmte Stimmungen immer die richtigen Tracks liefern sollen. Diese Kanäle haben so tolle Namen wie Dance, Extreme, Lounge, Upbeat, Relax, mellow, Morning, Daytime, Emotional oder Energetic. Diese Art des Musikkonsums ist uns fremd.


Musik wird einerseits vom Rechner aus auf den Z1000 kopiert, was problemlos funktioniert. Nicht problemlos läuft allerdings die Mitnahme bestimmter Tags und des entsprechenden Artworks. Das ist beim Z1000 kein alleiniges "Ich verstehe keine Metadaten aus iTunes"-Problem, wie man das von Android-Geräten bereits gewohnt ist, sondern betrifft auch Tracks aus anderen Shops. Manchmal geht es, manchmal nicht, eine Logik ließt sich dabei nicht erkennen. Andererseits ist der Z1000 an das Sony-Ökosystem angebunden. Per Qriocity- oder PlayStation-ID lässt sich der Dienst auch auf dem Walkman nutzen. Der kostenpflichtige Abo-Dienst bietet verschiedene Paketlösungen zu unterschiedlichen Preisen an. Um die Bedienung des Z1000 so einfach wie möglich zu machen, hat Sony eine spezielle Steuer-App aufgespielt, die den Nutzer per Swipe zum nächsten Titel springe lässt. Gute Idee, denn: An den Ohrhörern fehlt die Fernbedienung.


Fazit

Das Problem des Z1000 dürfte sein Preis werden. Die verbauten Hardware-Komponenten wie der Tegra 2 gibt es natürlich auch für Sony nicht umsonst, kraftvolle PMPs mit ähnlichem Funktionsumfang gibt es aber auch schon für weniger Geld als 269 Euro. Das ist fast ein bisschen schade, denn Sony macht mit dem neuen Walkman fast alles richtig und wer sich nicht an Apple und das Cupertino-Ökosystem binden will, iOS vielleicht auch aus anderen Gründen für sich nicht als Alternative sieht, ist beim Z1000 erst mal richtig aufgehoben. Sony weiß, wie man Hardware baut und beweist das auch hier mehr als überzeugend. Innerhalb der Android-Gemeinde ist die Luft unter den Konkurrenten aber schon deutlich dünner, hier wird sich zeigen, ob sich der Z1000 durchsetzen kann. Und: Preise purzeln ja heutzutage bekanntlich schneller, als alles andere. Beim neuen Walkman kann man zumindest sicher sein, dass die Verarbeitung tiptop, das Display großartig, die Ohrhörer solide und die Konnektivität umfassend ist. Bleibt zu hoffen, dass Sony den Z1000 nicht nur als Testballon versteht, sondern die Idee des Android-PMP stetig weiterentwickeln wird. Tot ist dieses Segment noch lange nicht.

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Review: Sony NWZ-Z1000 Android Walkman