Weiter zur Homepage

AOL Tech

Review: Apple iPhone 4S


Das wird die kürzeste Tech-Review aller Zeiten. Vielleicht aber auch eine der längsten, ich habe mich da noch nicht entschieden. Beim iPhone 4S steckt "der Teufel im Detail", wie so oft bei Apple. Mehr hinter dem Break.

Bildergalerie: iPhone 4S: Hands-On



Beim Design zum Beispiel ...

... stellt sich die Frage, ob es überhaupt lohnt, es zu einem Teil der Review werden zu lassen, hat Apple hier doch rein gar nichts verändert, von zwei neuen Einkerbungen im Metallrahmen mal abgesehen, die dem neuen Antennen-Design geschuldet sind (dazu später mehr). Natürlich wünscht man sich bei jeder Geräte-Generation eine Revolution, wenn es dazu nicht kommt zumindest die beherzte Evolution, die den Details an den Kragen geht, die kein schlüssiger Teil der Designsprache waren oder sich schlicht und einfach als unpraktisch und daher verbesserungswürdig herausgestellt haben. Apple verweigert hier die Mitarbeit, kategorisch, und wählt vielmehr den gleichen Weg wie schon beim Upgrade vom 3G auf das 3GS: keine Veränderungen außen, technische Updates im Inneren. Das ist einerseits vollkommen in Ordnung, andererseits schade (aus Gadget-Fan-Sicht) und vielleicht auch ein wenig kurzsichtig (aus Usability-Erwägungen). In Ordnung, weil das iPhone 4(S) sowohl in der Auswahl der verwendeten Materialien, vor allem aber in seiner reduzierten Radikalität (radikale Reduziertheit passt in diesem Fall auch gut) im Design allen anderen Smartphones nach wie vor weit voraus ist. Diese persönliche Einschätzung ist natürlich anfechtbar, manifestiert sich aber im Auge des Journalisten, durch dessen Hände seit dem Marktstart des iPhone 4 zahlreiche Smartphones gegangen sind, auch solche mit ungewöhnlichen Materialien: Irgendetwas passt am Ende nicht ins Bild. Das iPhone 4(S) punktet mit überragendem Understatement. Im Umkehrschluss bedeutet das aber leider auch, dass die Probleme die gleichen bleiben: Das iPhone 4S ist ebenso anfällig für Beschädigungen wie das Modell aus dem Vorjahr. Kurz bevor mir das 4S von Apple ausgehändigt wurde, krachte das iPhone 4 auf den Kachelboden der Küche, die Vorder- und Rückseite aus Glas überlebten diesen teuflischen Sturz wie durch ein Wunder ohne Schäden. Was vielleicht für die Konstruktion des Smartphones spricht, wohl aber doch eher ein glücklicher Zufall war. Das iPhone 4S braucht eine Hülle. Sofort, immer und überall. Und am besten nicht dem Bumper von Apple selbst, dessen Material rubbelt die glänzende Oberfläche des Stahlrahmens des Smartphones ab: nicht im Sinne des Erfinders.
Der größte Kompromiss des unveränderten Designs ist aber die Display-Größe: Auch das iPhone 4S verfügt nur über einen 3,5"-Screen. Apple punktet zwar nach wie vor mit einem der dem besten Displays aller Zeiten und einer Pixeldichte jenseits von gut und böse, bei 3,5" lacht sich die Konkurrenz aber ins Fäustchen.

(iPhone 4S vs. HTC Sensation XE (4,3"-Display) und vs HTC Titan (4,7"-Display)

In diesem Fäustchen herrscht natürlich ordentlich Kuddelmuddel, wir wissen alle, dass die faktische Größe eines Displays noch nichts über dessen tatsächliche Qualität aussagt, ein Sprung von 3,5" auf 4" wäre beim 4S dennoch wünschenswert gewesen, zumal das OS die nötige Skalierung von Inhalten in Apps sicherlich problemlos bewerkstelligt hätte. Das Fazit bleibt jedoch unwiderruflich: Das iPhone 4S ist aktuell das best aussehenste Smartphone, das Design-Konzept das schlüssigste, die Verarbeitungsqualität unerreicht.


Die Fakten

Sieht man dem iPhone 4S auch äußerlich nicht an, dass es nicht bereits 2010 verfügbar war, hat sich im Inneren einiges getan. Die technischen Neuerungen sind mittlerweile hinlänglich bekannt und müssen hier nicht erneut in allen Details ausgewälzt werden. Das 4S arbeitet mit dem gleichen Doppelprozessor A5 wie das iPad 2, der der Performance des Smartphones einen ordentlichen Schub gibt. Nicht nur die CPU, sondern vor allem auch die Grafik-Performance macht im iPhone 4S einen mächtigen Satz nach vorne, das wird vor allem die Gamer freuen. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, dass die reinen Hardware-Spezifikationen nur ein Teil des großen Ganzen sind: Der A5 ist mit lediglich 800MHz getaktet, dazu verfügt das 4S nur über 512MB RAM. Hard- und Software arbeiten aber so überzeugend zusammen, sind so gut aufeinander abgestimmt, dass es die Killer-Specs à la "1,5GHz Dual Core, 1GB DDR2 RAM" schlicht und einfach nicht braucht, um das iPhone 4S ganz vorne mitspielen zu lassen.

Das iPhone 4S ist ein "Welttelefon", das Mobilfunk-Modul unterstützt also nicht nur GSM, sondern auch CDMA, ist somit z.B. in den USA auch bei Sprint und Verizon einsetzbar, sofern euer Mobilfunk-Anbieter den entsprechenden Roaming-Vertrag im Portfolio hat. Das 4S unterstützt erstmalig Downloads mit einer Geschwindigkeit von bis zu 14,4 Mbit/s und Uploads von bis zu 7,2Mbit/s. Dabei helfen soll das neue Antennen-Layout des Smartphones, das die Arbeit zwischen zwei Antennen intelligent verteilt, was auch einer verbesserten Gesprächsqualität zugute kommen soll. An der ich bislang nichts auszusetzen habe, der des iPhone 4 aber auch nicht überlegen ist. Neben den üblichen Sensoren (Beschleunigungs, Annäherungs und Umgebungslicht), verfügt das 4S über aGPS, den obligatorischen Kompass, den dreiachsigen Gyro, WiFi (b/g/n) und als erstes Smartphone überhaupt über Bluetooth 4.0. Wie weiter oben bereits erwähnt, verfügt das iPhone 4S über das gleiche 3,5"-Retina-Display mit fantastischen Betrachtungswinkeln (unangefochten die Nummer eins, nach wie vor) und der nach wie vor unfassbaren Auflösung von 940x640p. Und doch ist das Display anders. Das Farbklima hat sich verändert, die Darstellung hat einen leichten Gelbton und die Kontraste sind nicht mehr so ausgeprägt wie beim iPhone 4, das Schwarz nicht mehr so tiefschwarz.


(links: iPhone 4, rechts: iPhone 4S)

Auf dem iPhone 4S wirkt die Darstellung dadurch heller und ist ausgesprochen angenehm für die Augen. Wann Apple den Wechsel zwischen dem alten und dem neuen Panel vollzogen hat, ist unklar, vielleicht gibt es bereits ein paar Millionen iPhones der vierten Generation, die genau mit diesem Farbklima arbeiten. Mein iPhone 4 stammt aus einer sehr frühen Produktions-Charge.
Ebenfalls neu beim iPhone 4S ist die hintere Kamera, die jetzt über eine 8-Megapixel-Auflösung verfügt, 1080p-Videos und zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten (mehr dazu gleich). Bei der FaceTime-Kamera auf der Vorderseite hat sich hingegen nichts getan, die Auflösung kommt auch beim 4S nicht über VGA hinaus.


Die Kamera

Bis zum iPhone 4 war die Kamera in eine der großen Schwachstellen in Apples Smartphones. Im vergangenen Jahr änderte sich das mit dem 5-Megapixel-Sensor, mit dem man sehr ordentliche Bilder und erstmals auch ernstzunehmende Videos bei 720p machen konnte, durch die Integration des HDR-Features wurden die Bilder dann noch besser. Für das iPhone 4S verwendet Apple eine 8-Megapixel-Kamera mit f2,4 Blende, einen verbesserten BSI-Sensor und hat der Linse außerdem ein "fünftes Präzisionselement" hinzugefügt, damit noch mehr Licht eingefangen werden kann. Außerdem soll ein Infrarot-Filter verhindern, dass das Farbklima der Bilder verfälscht wird. Alles gut und schön, bzw. egal, so lange die Ergebnisse stimmen: Und das tun sie. Das iPhone 4S macht hervorragende Bilder, auch dann noch, wenn die Lichtverhältnisse nicht mehr ideal sind. Wunderbare Farben soweit das Auge blickt. In der Kamera-App spürt man außerdem den A5-Prozessor: Die Wartezeit bis zum ersten Bild ist deutlich verkürzt und sofern man HDR ausschaltet, können mit dem iPhone 4S Quasi-Serienbilder in Paparazzi-Geschwindigkeit geschossen werden. Mit eingeschaltetem HDR braucht jedoch auch das iPhone 4S spürbar Zeit, um die mehreren Versionen des Motivs abzuspeichern. Auch den Videos merkt man den neuen, verbesserten Sensor an, dazu kommt eine Bildstabilisation, die leichtes Ruckeln beim Filmen ausgleichen soll und das auch ganz überzeugend tut.

Bildergalerie: iPhone 4S: die Kamera



(links: iPhone 4, rechts: iPhone 4S)

Performance

Die Geekbench-Resultate mögen bitte alle nach eigenem Gusto interpretieren und dann entsprechend abheften: Im täglichen Gebrauch schlägt sich das iPhone 4S ganz hervorragend. Schon das 2010er-iPhone war alles andere als langsam, 2011 geht alles noch schneller. Angry Birds zum Beispiel startet auf dem iPhone 4S locker doppelt so schnell und befreit sich bei vielen aktiven Apps im Hintergrund auch viel zügiger vom anfänglichen Ruckeln und Zuckeln. Diese Speed-Spritze zieht sich durch alle Anwendungen, die während des Tests ausprobiert wurden. Und macht sich schon beim Anschalten, bzw. beim Wechseln des abends aktivierten Flugmodus in den Funkbetrieb bemerkbar: Das iPhone 4S hat schneller Netz. A propos: Die beklagten Probleme sind beim Engadget-Testgerät nicht aufgetreten. Auch was die Akku-Laufzeit ließen sich keine messbaren Unterschiede zum Vorgänger-Modell feststellen. Das iPhone 4S schafft es locker durch einen Tag bei intensiver Nutzung, wenn wenig los ist im E-Mail-Land und man sowieso nicht telefonieren will, hält das Handy deutlich länger aus ohne Steckdose.


Wechsel

Mit dem iPhone 4S hat Apple sein Smartphone fit gemacht für die Konkurrenz, die an jeder Ecke lauert. Ein schnellerer Prozessor und eine deutlich bessere Kamera sind dann aber auch schon die beiden einzigen Hardware-Komponenten, die im Alltag einen Unterschied machen, von den theoretisch schnelleren Download- und Upload-Geschwindigkeiten mal abgesehen. Den Rest der Neuerungen regelt iOS 5 und diese Version steht mit fast allen Features auch Nutzern des iPhone 4 zur Verfügung, sogar das 3GS profitiert noch von der frischen Iteration des Betriebssystems. Wenn man letzteres Smartphone von 2009 aktuell im Einsatz hat und seinen Vertrag erneuern kann, stellt sich die Frage nach dem Upgrade nicht wirklich. Der Sprung ist gigantisch. Vom 4er zum 4S fühlt sich das dann schon nicht mehr so bahnbrechend an. Für Apple-Fanatiker dürfte die Entscheidung einfach sein, für die User, die eher Normaltemperatur in Bezug auf den Hersteller ihres Handys haben, ist es vor allem davon abhängig, ob man a) gerade genügend Geld auf der Seite hat, was ausgegeben werden will, oder aber ob man b) mit seinem Smartphone Pseudo-Unterhaltungen führen möchte, sei es, weil man einfach drauf steht, oder aber vermehrt auf einen "Hands free"-Betrieb setzen möchte oder muss.

iOS 5

Siri

Die neue Version von Apples mobilem Betriebssystem bietet zahlreiche frische Features. Allen voran natürlich Siri, die komplett neu implementierte Sprachsteuerung. Vorweg: Die Spracherkennung funktioniert beeindruckend gut, Fehler, auch wenn man sich aufs Nuscheln verlegt, sind selten. Das ist schockierend, im positiven Sinn. Auch die kontextuellen Lernfährigkeiten sind phänomenal. Hat man zum Beispiel mehrere Personen in seinem Adressbuch, die alle den gleichen Vornamen haben, bietet Siri zunächst alle zur Auswahl an, lernt dann aber schnell mit, dass man eigentlich immer nur dem einen Frank, Peter oder Mark eine SMS schicken will und regelt das dann vorlaut automatisch. Bis auf Widerruf, versteht sich. Es ist ein ziemlicher Quantensprung, vor allem, wenn man sich einerseits die bisherige Implementation in Erinnerung ruft und andererseits an die Implementation der bei uns noch fehlenden Features denkt, die im kommenden Jahr nachgereicht werden sollen. Siri ist wirklich nützlich, der Spaß bei vermeindlichen Fangfragen nutzt sich allerdings schnell ab.


Bildergalerie: iPhone 4S: Siri




Notification Center

In Sachen Benachrichtigungen hat Apple von Android gelernt, um es freundschaftlich auszudrücken. Neben der neuen Organisation von Push-Benachrichtigungen, die einen unter iOS 5 nicht mehr aus dem Workflow kippen, werden jegliche Arten von Benachrichtigungen jetzt im Notification Center zusammengefasst, dies erreicht man, wenn man man vom oberen Rand des Displays einmal nach unten wischt. Hier werden neue E-Mails, Facebook-Zeug, Push-Nachrichten von entsprechenden Diensten etc. übersichtlich präsentiert. Ein Klick auf die entsprechende Nachtricht, leitet den Nutzer dann sofort in die entsprechende App weiter, läuft die Liste über, können Benachrichtigungen gelöscht werden. Diese Benachrichtigungen werden, wenn gewünscht, auch auf dem Lockscreen dargestellt. In welchen Rhythmus hier jedoch gerade E-Mail-Benachrichtigungen eintreffen, ist ein bisschen unberechenbar. Auch vom Lockscreen aus kann man direkt in die E-Mail oder sonstigen Benachrichtigungen wechseln: Ein Swipe von links nach rechts öffnet die entsprechende Nachricht.


Und auch auf dem Homescreen und in den Apps wird man jetzt über neue Nachrichten besser informiert.




iMessage

Solide auch der neue iOS-Nachrichtendienst. Von iPhone zu iPhone, von iPad zu iPod touch, mit oder ohne SIM-Karte: Der Service funktioniert verlässlich, schnell und überzeugend. Erkennen die Apple-Server, dass man ein iOS-5-Gerät anstupsen will, wird automatisch auf iMessage umgeschaltet, die Nachricht ist damit kostenfrei. Solche Dienste gab es auch schon vorher, die Verzahnung unterschiedlicher Kommunikationsmöglichkeiten, also iMessage, SMS und MMS, in einer App erspart jedoch das lästige Hin- und Herwechseln zwischen Programmen.


Fazit
Das sind nur einige der zahlreichen neue Features von iOS 5 und außer Siri stehen sie auch für das iPhone 4 und das 3GS zur Verfügung. Mit der Integration von iCloud zerrt Apple sein Ökosystem außerdem noch fester und schlüssiger zusammen. Aber zurück zum iPhone 4S. Wie war das mit dem Upgrade? Bei einer jährlichen Erneuerung des Hardware und in der Regel zweijährigen Mobilfunkverträgen fällt man sowieso immer die falsche Entscheidung. Wer weiß schon, was Apple 2012 für das iPhone 5 geplant hat? Neuer Formafaktor, 12-Megapixel-Kamera, LTE, NFC, 4,5"-Display? Alles kann, nichts muss. Wer beim 4S darüber enttäuscht war, dass das Design gleichgeblieben ist, sei daran erinnert, dass auch Laptops und Desktops über mehrere Jahre die gleiche Form behalten, in Sachen Smartphones war das beim 3G und 3GS nicht anders. Fest steht, dass Apple mit dem 4S fast alles richtig gemacht hat und was die Verzahnung von Hard- und Software der Konkurrenz immer noch voraus ist. Die Zukunft darf kommen. Dennoch.

Passende Beiträge

Thread abonnieren

Leserkommentare (Seite 1 von 2)



Die Neusten Galerien