

Hardware
Fangen wir zunächst beim Gehäuse an, denn das kann sich sehen lassen. Das Optimus Speed ist schlank, sehr elegant, liegt fantastisch in der Hand und ist mit 147 Gramm weder zu schwer noch zu leicht. Die gesamte Verarbeitung ist absolut vorbildlich und es sind vor allem die Details, die uns hier begeistern. Die sanfte Rundung des Displays am Rahmen zum Beispiel, der Übergang zwischen den beiden Komponenten an den vier Ecken des Smartphones, die fast eine optische Illusion auslösen und uns beim ersten Hinschauen denken lässt, dass das Glas unter dem Rahmen verschwinden würde. Die Zurückhaltung in Sachen Design macht das Optimus Speed zu einem zeitlosen Gerät, keine Komponente drängt sich in den Vordergrund. Auch die Wahl des Kunststoffs für die Rückseite ist eine sehr gute Wahl: Das gummiartige Plastik verhindert, dass das Handy hin- und herrutscht. Im Gegensatz dazu ist der silberne Streifen mit Google-Logo aus Aluminium und weist den Weg zur leicht erhöht liegenden Kamera inklusive LED-Blitz. Während der Sensor hinter Glas geschützt ist, liegt der Blitz komplett offen. Das ist vor allem ein Design Faux-pas: der einzige, den das Optimus Speed aufzuweisen hat. Das Optimus Speed ist eines der best verarbeiteten Smartphones, die wir seit langer Zeit gesehen haben, das Design und die Detailverliebtheit setzt Maßstäbe.
An der Oberseite des Smartphones finden sich Kopfhörer-Ausgang, An/Ausschalter und hinter einem kleinen Türchen der HDMI-Ausgang. Auf der rechten Seite befinden sich die Lautstärke-Regler, an der Unterseite der Lautsprecher, das Mikro und USB. Auf der Vorderseite befinden sich unterhalb des Screens die typischen vier kapazitiven Android-Knöpfe, oberhalb des Displays die Sensoren und die zweite Kamera. Display selbst hat mit 800x480p nicht die Auflösung des iPhone 4 oder des Sensation von HTC, ist aber ein IPS-Display mit solider Farbtiefe und hervorragendem Betrachtungswinkel. Die "fehlenden" Pixel bemerkt man schlichtweg nicht, hier sind User mit Faible für Kleingedrucktes auf der sicheren Seite.

Ein wenig irritierend für LG-Neulinge ist die Art und Weise, wie die Sensitivität des Touchscreens eingestellt ist. Das fällt schon beim Lockscreen auf, bei dem es einen deutlich festeren und beherzteren Swipe braucht, um auf den Homescreen zu gelangen. Und auch das Manövrieren zwischen den sieben Homescreens bedarf eines gewissen Drucks. Keine große Sache, es erfordert lediglich ein wenig Eingewöhnung.
TEGRA 2 & SOFTWARE


Jenseits der HDMI-Funktionalität und der Grafikstärke dürfte der Doppelprozessor denjenigen, die immer wieder mal aktuelle Smartphones ausprobieren, kaum auffallen. Natürlich sind die Benchmark-Tests auf dem Papier beeindruckend, im täglichen Umgang fallen sie aber nicht so ins Gewicht, dass man sofort losrennen möchte, um sein Snapdragon-Smartphone gegen das Optimus Speed einzutauschen. Das hat auch mit der fehlenden Optimierung seitens LG zu tun, die Software ist nicht in der Lage, die Prozessorkraft angemessen zu nutzen. Das geht schon bei den Homescreens los. Von der anders eingestellten Sensitivität des Touchscreens abgesehen, ist ein Ruckeln beim Wechsel zwischen den Screens immer präsent, egal wie schnell oder langsam, wie rabiat oder vorsichtig man nach links oder rechts wischt. Diese Unaufmerksamkeit bei LG ist uns schlicht und einfach unbegreiflich, ist es doch genau das, was man als erstes mit seinem neuen Telefon ausprobiert. Zumal LG im Gegensatz z.B. zu HTC Android zwar spürbar, aber nicht so umfassend "geskinnt" hat. Solle alles flutschen, zuckelt aber einfach zu oft. Zum Beispiel der Pinch-To-Zoom für die Übersicht aller Homescreens. Wer sein Telefon vor allem für die Basics verwendet - SMS, E-Mail, Facebook -, Aufgaben, für die man noch nicht einmal die Apps nutzen muss, sondern auch mit den Widgets der Homescreens hinkommt, für den bleibt der Tegra 2 ein Mysterium. Erst in den den aufwendigen Programmen und Spielen zeigt sich das Potenzial des Prozessors. Kurz und gut: LG hat die eigene Skin nicht im Griff. Das wäre an sich schon betrüblich, ist es doch das Killer-Feature, der Wow-Effekt, den man ganz zu Beginn zu gesicht bekommt. Doch die Probleme reichen offenbar tiefer. Die User-Foren sind voll mit Beschwerden über plötzliche Abstürze, Reboots und Vollbremsungen des Telefons. Auch bei unserem Testgerät können wir das beobachten: So kam es diverse Male vor, dass wir beim Versuch, das Telefon zu benutzen, also auf den Lockscreen vorbereitet waren, plötzlich den PIN unserer SIM-Karte eingeben sollten, das Telefon also mittlerweile abgestürzt war. Ausgesprochen unschöner Bug. Die gute Nachricht ist, dass LG an der Behebung des Problems arbeitet und einen Software-Patch vorbereitet. Die schlechte Nachricht ist, dass die Fertigstellung aktuell auf Mitte Juni verschoben wurde, das wird viele User zur Weißglut bringen, zu Recht. Diese Basics sollte man am Start haben, bevor man ein derartiges Prestige-Smartphone ausliefert. Da das Telefon mittlerweile schon ein paar Wochen bei uns erhältlich ist, interessieren uns hier besonders eure Erfahrungen. Denn - auch das ist wichtig - nicht alle Geräte haben laut LG mit diesen Problemen zu kämpfen.

Audioqualität & Batterie
LG hat die Lautsprecher/Mikro-Kombo genauso arrangiert wie Apple beim iPhone 4. Die Sound-Qualität des Lautpsrechers ist in Ordnung, reicht aber genau wie bei der Konkurrenz bei weitem nicht aus, um auch nur zwei Minuten lang ernsthaft etwas anhören zu können. Umso besser die Audioqualität bei Telefonaten, hier gibt es nichts auszusetzen.
Ebenso wie bei der Laufzeit der Batterie. Natürlich würden wir uns hier mehr wünschen, mit einigen Telefonaten, viel E-Mail, dem üblichen Web-Quatsch und einem Mix aus WiFi und 3G hat uns das Optimus Speed einen Tag lang nicht im Stich gelassen, musste dann aber auch dringend ans Netz. Ähnlich wie beim HTC Incredible S sollte man nicht zu viele Bilder und Videos schießen, wenn man den ganzen Tag ohne Steckdose auskommen und am Abend noch dringend telefonieren muss.

Kamera
Das Optimus Speed ist mit einer 8-Megapixel-Kamera ausgestattet, die uns gut gefallen hat. Vor allem der Detailreichtum der Bilder hat uns überzeugt. Über das Farbklima im Automatik-Modus lässt sich streiten und in Sachen Farbtiefe und Brillanz werden sicherlich viele User enttäuscht sein, uns hat die "flache" Darstellung aber nicht gestört. Das Interface der Kamera-App wurde von LG gut und überzeugend personalisiert, die Einstellungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die Auslösegeschwindigkeit bewegt sich im oberen Mittelfeld. Verlässt man sich auf en Blitz, ist allerdings Vorsicht geboten: Der ist gnadenlos hell. Die zweite Kamera auf der Vorderseite verfügt über 1,3 Megapixel und taugt erwartungsgemäß jenseits von Videochats in guten Lichtverhältnissen und den obligatorischen Selbstportraits wenig. Die Videofunktion der Kamera hinten leistet gute Arbeit.
Gelungen ist auch die Galerie-App, in der die diversen Foto- und Video-Stapel sehr fein dargestellt werden, und die diese Darstellung sogar durch Informationen des Bewegungssensors verändert. Ein funky Bonus.
Wir waren in der Vergangenheit generell nur mäßig an Smartphones von LG interessiert, Android hin oder her. Mit dem Optimus Speed ändert sich das, es leistet überzeugende Arbeit, auch wenn im Moment wenig Dienste und Features zur Verfügung stehen, um die Kraft des Tegra 2 wirklich auszunutzen. Überhaupt hat LG wenig Alleinstellungsmerkmale im Angebot, was die Software angeht. Die Oberfläche ist mit einer Schicht koreanischer Popkultur überzogen, so weit wie HTC zum Beispiel geht LG aber nicht. Das dürfte vielen Nutzern sehr recht sein, andererseits fragt man sich aber auch, warum hier überhaupt Veränderungen vorgenommen werden. An eigener Software hat LG nichts zu bieten. Der "App Advisor", der einem Apps aus dem Market empfehlen soll, ist ein schlechter Witz, die Facebook-App hat genau so viele Defizite wie die der Konkurrenz. Android 2.3 würde dem Optimus Speed ebenfalls sehr gut stehen. LG muss sich außerdem beeilen, die wirklich peinlichen Software-Bugs zu bereinigen. Sobald das geschehen ist, steht einem Kauf eigentlich nichts im Wege. Die Hardware ist fantastisch und trotz Doppelprozessor - man kann ja auch mal in die Zukunft investieren, oder? - nicht teurer als aktuelle Smartphones der Konkurrenz. Wir raten aber dringend dazu, den Software-Patch abzuwarten. In zwei Wochen soll es soweit sein, wir drücken die Daumen, dass nichts dazwischen kommt.








Leserkommentare (Seite 1 von 1)
F.vdV @ May 30th 2011
Vielen Dank für das Review.
Das habt ihr Super neutral gehalten.
Ich bin der Meinung das dieses Smartphone Preis.-/Leistungstechnisch momentan unschlagbar ist.
Und mit dem Software-Patch und den Upgrade auf Android 2.3.3 oder 2.3.4, gehe ich schwer davon aus, das dieses Phone dann auch absolut Spaß macht, wenn man auch die richtigen Energieeinstellung benützt, die in dem ein oder anderem Forum geschildert werden.
Was ich bestätigen kann, ist das dieser von LG Angebotene "App Advisor" absolut ein Witz ist. Nun ja...
Meines Achtens kann ich dieses Smartphone absolut empfehlen.
Alternativen wie Sony Ericsson Xperia Arc wäre sozusagen die Alternative. Samsung Galaxy S2, nun bei diesem Hype kommt glaub ich gerade niemand so richtig ran, und wenn dann evtl. das iPhone 4, aber das ja schon n alter Schinken mittlerweile.
Schnielz @ May 30th 2011
Ihr habt recht was die Aussage angeht dass nicht alle Geräte diese Probleme haben. Ich habe mein P990 jetzt seit einem Monat in Gebrauch und diese mysteriösen Neustarts sind bei mir bisher nicht aufgetreten (na gut ein mal aber das rechtfertigt den plural noch nicht). Das Ruckeln auf dem Homescreen ist dagegen immer präsent. Dafür wurde ich ganz schön ausgelacht. Von wegen Dualcore und so. Mit einem alternativen Homescreen lässt sich das aber beheben. Außerdem sind die GPS-Einstellungen nciht optimal. Ich brauchte mit den Werkseinstellungen 3-5 Minuten um ein GPS-Fix zu bekommen. Nach einigen (nicht ganz einfachen) Einstellungsänderungen habe ich aber jetzt einen Fix in
F.vdV @ May 30th 2011
Darf ich fragen welchen alternativen Homescreen du nutzt, und wie du das mit dem GPS Fix hinbekommen hast?
Soma @ May 30th 2011
Welche Einstellungen hast du denn vorgenommen um das GPS Problem zu beheben?
Ray @ May 30th 2011
Meins hat so ziemlich jeden Fehler der irgendwo mal angesprochen wurde. Im Moment kann ich nur jedem davon abraten. Ich werde mein auch umtauschen gegen das Galaxy S 2
TOm @ May 30th 2011
Das Teil sieht geil aus! und dann noch mit der richtigen software ausgestattet.. hmmm =)
aber sagt mal ist das foto nicht durch eine scheibe fotografiert??
ansonsten nicht so überzeugend,...
Tom @ May 30th 2011
ups, ja das erste bild vielleicht...
ECHT TOP das Gerät ... hätt ich kein iHandy wär das möglicherweise mein nächstes!
(Man beachte das gewölbte display... ob es wohl ähnlichkeiten mit den nächsten iphone modellen gibt?
Apple hat ja 300 Glasschneidemaschinen angeschafft, die das können sollen ...hmm...)
noysemachinery @ May 30th 2011
GPS fix: http://www.handy-faq.de/forum/lg_optimus_speed_p990_forum/204873-lg_optimus_speed_p990_gps_fix_ueber_lg_hiddenmenu.html
Geteste und für gut befunden! :D
Ist ohne eingriff ins OS machbar, daher vollkommen legal.
Funzt auch beim P970 (Black), welche ich unterm Strich für das bessere Optimus halte, da der Akku schlicht deutlich länger hält.
ikoerni @ May 30th 2011
LG? Was ist das für eine Wald- und Wiesenfirma? Würd mir nix von denen kaufen... Zumal, wenn man die untere Hälfte betrachtet es recht iPhone-ähnlich aussieht. Des Weiteren ist es viel zu groß.
Xeroe @ May 30th 2011
Ich benutze mein Optimus Speed mit Cyanogenmod7 auf 2.3, und hab eigentlich, abgesehen von den noch bestehenden Bugs von Cm7 (welche aber eigentlich tagtäglich weniger werden) keine der bekannten Probleme.
Es laggt nichts auf dem Homescreen, Gps Signal geht flott, Sprachqualität ist super und auch die Zufalls Reboots die häufig kritisiert werden sind nicht mehr da, weil diese wie Lg auch bestätigt hat, daran liegen dass Tegra2 nicht mit Android 2.2 kompatibel ist.
qwerts @ May 31st 2011
Ich hab das LG OS jetzt seit rund 6 Wochen und habe nach 2 Tagen gerootet und seitdem ein MoDaCo Custom Rom drauf - die Nutzung deutlich angenehmer und flüssiger (Reboots kommen immer noch vor aber extrem selten). Die LG Software fand ich insgesamt auch nicht sehr ansprechend aber dank Hilfe in Foren konnte ich alles genauso anpassen, wie es mir gefällt.
Und auch wenn es für einige Nutzer vielleicht ein no-go sein mag seine Software selbst anzupassen, sollte nicht unterschlagen werden, dass es schon jetzt eine große Community für Mods/Custom Roms gibt und außerdem seitens LG keine Hürden (verschlüsselter Bootloader, etc.) dafür in den Weg gelegt wurden.
Ich würde es auf jeden Fall wieder kaufen (Haptik und Design gefallen mir sehr gut!), würde nicht mal auf einen Patch warten sondern eher dazu sich in den entsprechenden Foren zu informieren.
qwerts @ May 31st 2011
Ach ja, hätte ich fast vergessen: Mit den Custom Rom komme ich bei normaler Nutzung (also ohne permanent Video/Youtube oder spielen) auf rund 2(!) Tage Akkulaufzeit.