Weiter zur Homepage

AOL Tech

Review: MacBook Air (2010)


Es ist bemerkenswert, wie sich unsere Erwartungshaltung an mobile Geräte immer wieder verändert. Schuld daran sind natürlich Smartphones und Tablets. Traditionelle Laptops wirken gegen die Winzlinge fast schon wie Dinosaurier, sind aber in Punkto Leistung immer noch nicht zu ersetzen. Je kleiner, dünner, portabler das Notebook, desto mehr Kompromisse bei der Leistung: Hallo, Netbooks. Das MacBook Air von Apple war da bislang keine Ausnahme. Fast schon unverschämt teuer, ein einziger versteckter USB-Port, Konstruktionsprobleme der Display-Scharniere (ein Überbleibsel des ersten PowerBook G4) und eben nur mittelmäßige Leistung. Der vornehmliche Flaschenhals: die Festplatte. Viel zu langsam. Jetzt ist das dünne Laptop überarbeitet worden. Neben dem 13"-Modell ist zudem ein kleiner Bruder mit nur 11,6"-Display dazu gekommen. Ein klassisches Netbook also, leider nur zum Premium-Preis. Dennoch sind die MacBook Airs preiswerter geworden. Und so, unterstützt durch den Abschied von der traditionellen Festplatte - die neuen Geräte verfügen nur über SSD, sind die neuen Geräte eine Art Neustart für Apple. Oder doch nicht? Unsere Review kommt nach dem Break.




Hardware
Gleich vorab: In unserem Test berücksichtigen wir leider nur das 13"-Modell. Das ist von Hause aus schon besser ausgerüstet, als das 11,6"-Modell. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich das kleine Air zuzulegen, sei gewarnt, weil der schwächere Prozessor bestimmte Aufgaben unter Umständen nicht so bewältigt wie der Core 2 Duo mit 1,86GHz in unserer Maschine. Unser Testgerät hat zudem die obligatorischen 2GB RAM, auf SSD-Seite allerdings schon 256GB. Die Nvidia GeForce 320M zwackt sich die 256MB Speicher vom Hauptspeicher ab. 1.600 Euro kostet dieser Laptop direkt bei Apple, ein teurer Spaß, wenn man bedenkt, dass der Prozessor längst nicht so schnell getaktet ist wie technisch möglich (ein Upgrade auf einen 2,13GHz-Prozessor schlägt bei Apple mit zusätzlichen 90 Euro zu Buche, die Verdoppelung des RAM auf 4GB kostet ebenfalls 90 Euro), das CD-Laufwerk natürlich fehlt und als Anschlüsse 2 Mal USB, ein SD-Karten-Slot und der MiniDisplay-Port zur Verfügung stehen. Im Gegenzug bekommt man einen Rechner, der nur 1,3 kg wiegt, ein hochauflösendes Display (1440x900) hat, dank Flash-Speicher eine deutlich schnellere Performance verspricht und zudem wegen fehlender beweglicher Teile nicht anfällig für den klassischen Headcrash der Festplatte ist.




Aufgespielt
Die Überraschung kommt gleich zu Beginn: Die Geschwindigkeit, mit der das MacBook Air bootet, Programme startet etc., ist beeindruckend. Nicht, weil es tatsächlich mit Lichtgeschwindigkeit passiert, sondern weil es schlicht überrascht, wie schnell ein Computer agieren kann, wenn man sich von der klassischen Festplatte getrennt hat. User, die bereits SSD im Einsatz haben, sind daran natürlich gewöhnt, entsprechend verhaltener dürfte der Luftsprung ausfallen. Dass SSD die HDD bald auf weiter Flur ersetzt, daran gibt es kaum Zweifel und Apple hat als weltgrößter Flash-Konsument die Chance, das auch tatsächlich preiswerter anzubieten, als die Konkurrenz. Wir geben die Hoffnung nicht auf. Die Kiste läuft also. Und wie. Im Tagesgeschäft ist es uns nicht geglückt, das MacBook Air aus der Ruhe zu bringen. Zwei Browser, diverse offene Tabs, drei YouTube-Filme in HD, dazu MS Word und Excel, GarageBand. Aber selbst Photoshop und InDesign machen auf dem MacBook Air noch einen guten Eindruck, kommen selbst mit großen Dateien zurecht. Der Beachball, Hassobjekt Nummer Eins, gehört fast vollständig der Vergangenheit an. Der vergleichweise langsame Prozessor wird durch die Flash-Technologie enorm gut kompensiert, die Hardware-Komponenten arbeiten einfach überzeugend zusammen. Das ist bei Apple-Rechnern nicht immer der Fall. Auch für Musiker ist das MacBook Air eine echte Alternative. Oft genug gerät z.B. Ableton ja ins Stottern, weil die Festplatte einfach nicht schnell genug ist. Wir haben ProTools SE 8.03 installiert, eine neue Version des Studio-Standards, die dieser Tage in den Handel kommt und für Einsteiger mit Soundkarte, Controller oder Mikrofon gebundelt ist. Davon abgesehen, dass diese Version an sich ziemlich buggy ist, hat uns auch hier die Performance überzeugt. Avid als Hersteller rät allgemein dazu, ProTools sowieso nur mit schnellen, externen FW-Platten zu verwenden, die Performance war auf dem MacBook Air jedoch deutlich besser als auf einem MacBook Pro von 2009, mit 2,8GHz-Prozessor und 4GB RAM. Keine Aussetzer, kein Overload der CPU. Auch für semi-professionelle Aufgaben ist das MacBook Air also durchaus geeignet. Im Alltag überzeugt es noch mehr. Wer sich Sorgen macht wegen der Grafik-Performance: Für das 13"-Modell können wir Entwarnung geben. Wir haben keine GPU-intensive Spiele ausprobiert, bei HD-Videos ruckelt jedoch rein gar nichts. Und auch TV-Rips im .mkv-Format liefen im VLC brillant und flüssig. Das Display mit der hohen Pixeldichte von 1440x900p kann bei Filmen seine Stärke voll ausspielen. Das trifft natürlich auch auf DVDs zu, die von Rechnern mit entsprechendem Laufwerk auf das MacBook Air gestreamt werden können, allerdings nur solange kein Kopierschutz vorliegt, dann kommt es zu Problemen. Software wird, und das nicht nicht neu, ebenso installiert. Auch hier ist die Geschwindigkeit in Ordnung. Unanständig lange dauert allerdings die Migration eines User-Accounts über WiFi. Da spürt man die Limitierungen der Drahtlos-Technik, n-Standard hin oder her.

Trackpad/Tastatur
Das Trackpad ist voll Multitouch-fähig, Gesten für zwei und drei Finger werden unterstützt. Wie nützlich das ist, muss jeder selbst entscheiden, bei uns gilt: Was auf dem Smartphone das Normalste der Welt ist, fühlt sich auf dem Rechner immer noch ein wenig fremd an. Die Tastatur hat volle MacBook-Größe, hat allerdings keine Hintergrund-Beleuchtung mehr. Das ist schade, allein die Gewissheit zu haben, im Zweifel auch im Dunkeln schreiben zu können und dabei nicht ganz die Orientierung zu verlieren, war immer sehr beruhigend. Sonst gibt es am Keyboard nichts auszusetzen.

Batterie
Apple verspricht im 13"-Modell bis zu sieben Stunden Akku-Leistung und das ist bei bestimmten Aufgaben tatsächlich nicht übertrieben. Verlegt man sich auf das Schreiben von Texten, ein bisschen E-Mail hier und da, kommt man locker durch den Tag, ohne an die Steckdose zu müssen. Anders als bei den MacBooks greift bei den neuen Airs ein Ruhezustand, der die Batterie kaum belastet. Auch das funktioniert tiptop.

Fazit
Mit dem neuen MacBook Air hat Apple sein Laptop-Leichtgewicht im letzten Moment vor dem Dornröschen-Schlaf gerettet. Mit dem 13"-Modell lassen sich Anwendungen jenseits von HighEnd-Bereichen problemlos bewältigen, dazu kommen deutlich weniger Schmerzen in Schulter und Rücken auf dem Weg ins Büro. Dieser Komfort hat seinen Preis, den man sich erstmal leisten können muss. Im Moment ist das MacBook Air in der von uns getesteten Variante nach wie vor ein Luxus-Produkt, das wirklich nur User als Nonplusultra ansehen werden, die viel unterwegs sind und mit so wenig Gepäck wie möglich in den Tag starten wollen. Alle anderen werden es sich gut überlegen, ob ihnen die Geschwindigkeit von SSD, das bessere Display und das geringe Gewicht den happigen Aufpreis Wert ist und man dafür bereit ist, auf Firewire und das optische Laufwerk zu verzichten. Die Leistung des Neulings ist aber schon jetzt auf Augenhöhe mit dem kleinen MacBook und bietet dank Flash letztendlich eine befriedigendere Erfahrung. Beim kleinen Modell mit dem 11,6" großen Screen sieht die Sache dann nochmal anders aus. Ein Netbook für 1.000 Euro (so viel kostet das kleine Modell) ist eine Ansage, die man erst mal verkraften muss. Auch wenn uns der kleine vom Handling her sehr gut gefallen hat (wir hatten wenig Zeit, wirklich fundierte Angaben können wir also nicht machen), würden wir immer zum 13"-Modell tendieren.

Passende Beiträge

Thread abonnieren

Leserkommentare (Seite 1 von 1)



Die Neusten Galerien