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iPhone 4: Engadget Deutschland Review

Seit vergangenem Freitag funken zwei Exemplare des neuen iPhone 4 in der Engadget-Redaktion, ausgepackt haben wir sie ja schon für euch. Nach ein paar Tagen intensiver Nutzung ist es jetzt Zeit für die Review. Ist das iPhone 4 der große Wurf? Jenseits des offenkundigen kommerziellen Erfolgs? Ist das Display wirklich die wortwörtliche Erleuchtung? Wie macht sich der A4-Chip im Herzen des neuen Apple-Handys? Lest weiter nach dem Break.


DESIGN

Erster Hingucker beim neuen iPhone 4 ist natürlich das Design. Hier hat Apple die bisherige Strategie der eleganten Kurven komplett über Bord geworfen, das iPhone 4 ist ein Statement hin zu klaren Formen. Die Vorder- und Hinterseite sind aus gehärtetem Glas, zwischen denen der Rahmen aus Stahl alles zusammenhält. Das kommt unserer Vorstellung, wie ein Handy auszusehen hat, enorm entgegen und auch Apple hat bereits mit dem ersten iPhone gezeigt, dass es Lösungen jenseits des Plastiks geben kann. Das Gewicht des neuen iPhones ist in etwa das selbe wie das des 3G S, und doch hat man durch das kantigere Design das Gefühl, dass ein 3G oder eben auch ein 3G S einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Die schwarze Version des neuen Handys ist natürlich enorm anfällig für Fingerabdrücke, die weiße Version, die wir auch schon kurz in den Händen hatten, kann das viel besser kaschieren. So schnell die Fingermanscher aber auch auf dem Glas landen, so schnell kann man sie auch wieder wegwischen - anfällig für Kratzer ist die Oberfläche des Handys überhaupt nicht. Der Rest des Designs ist pure Liebe zum Detail, der andere Hersteller - mal wieder - nacheifern werden, koste es, was es wolle. Mit dem iPhone 4 hat Apple eine neue Kategorie in Sachen Smartphone-Design eröffnet, wir sind gespannt, was diese Steilvorlage noch für Blüten tragen wird.

Bildergalerie: iPhone 4 - Design



HARDWARE

Apple hat bislang in seinen Telefonen keine wirklich schnellen Prozessoren verbaut. Das tat auch nicht wirklich Not, wenn man denn auf Multitasking verzichten konnte. Das OS war - anders als bei anderen Herstellern, perfekt auf die Hardware abgestimmt. Das wurde mit den letzten Software-Updates jedoch kritischer: Die Mischung aus wenig Speicher und anspruchsvollen Apps brachte unser iPhone der ersten Generation ganz ordentlich ins Schwitzen: lange Wartezeiten, die man auf dem Telefon einfach nicht akzeptieren will, gehörten zur Tagesordnung. Im iPhone 4 pulst der A4-Chip, den wir auch schon aus dem iPad kennen. Dort läuft er auf voller Geschwindigkeit bei 1GHz und obwohl Apple zur Taktung des Chips im neuen iPhone keine Angaben macht, gehen wir davon aus, dass er hier nicht auf voller Leistung läuft. Muss er auch gar nicht. Egal wie schnell er nun getaktet ist, das Interface ist genau so reaktionsschnell, wie man es sich wünscht, inklusive Multitasking und Videoaufnahme in HD, doch dazu später. Dabei hilft, dass das neue iPhone über 512MB RAM verfügt, das ist die doppelte Menge im Verhältnis zum 3G S und zum iPad. Apple macht dazu offiziell keine Angaben, da muss man eben selbst nachschauen. Obwohl das neue iPhone dünner ist als der Vorgänger, wurde die Batterie physisch vergrößert, was sich in einer ausgesprochen guten Laufzeit widerspiegelt. Ebenfalls mit an Bord ist erstmalig WiFi im n-Standard und natürlich Bluetooth 2.1. iPhone 4 funkt HSUPA auf vier Bändern. Die bekannten Sensoren werden im neuen iPhone um einen 3-Achsen-Gyrosensor erweitert. Apple hat mit dem neuen iPhone Boden gut gemacht in Sachen Hardware. Das war überfällig und bringt Cupertino wieder auf Gleichstand mit allen Snapdragon-Verbauern. Die große andere Neuerung an der Hardware ist die Neuplatzierung der Antennen für das Mobilfunk-Signal, WiFi und GPS, die in den Stahlrahmen integriert sind und aktuell bei vielen Usern rumzicken. Auch wir können den Fehler auf unseren testgeräten reproduzieren. Nimmt man das iPhone unten links in einen kräftigen Würgegriff, verschwindet das Mobilfunk-Signal. Das Gespräch bricht allerdings nicht zwingend ab, in einigen Situationen war dann aber nach einer Weile Schicht im Schacht. Abhilfe schafft hier zum Beispiel der Bumper, also die Apple-eigene iPhone-Hülle. Ist die auf das Gerät aufgezogen, bleibt die Signalstärke konstant. Die Gesprächsqualität ist dafür wunderbar, ob das zweite Mikrofon, dass einzig und allein für das Noise Cancelling zuständig ist, wirklich dabei hilft, ist uns nicht wirklich klar geworden. Der Empfang des 3G-Signals der Telekom erschien uns in der Tat deutlich besser als auf dem 3G oder dem 3G S. Ein Pluspunkt, denn wir wissen alle, wie schnell man eine UMTS-Verbindung verlieren kann, wenn man in ein Gebäude tritt.




KAMERA

In Sachen Kamera musste Apple zulegen, selbst die 3-Megapixel-Kamera des 3G S war schon zum Verkaufsstart alles andere als zeitgemäß für ein HighEnd-Handy wie dem iPhone. Aber Megapixel sind nicht alles, das wissen wir vom Motorola Droid oder auch vom HTC Legend und Desire. Im iPhone 4 sind es 5 Megapixel, immer noch nicht die Welt, doch Apple beharrt darauf, dass Megapixel nicht allein über die Qualität der Bilder entscheiden. Uns erinnert das ein bisschen an den guten alten "Megahertz-Myth" aus PowerPC-Tagen, im Falle des iPhones geht die Rechung allerdings fast schon schockierend überzeugend auf. Ohne großes Experimentieren sehen die Bilder gut aus, die Farben sind frisch, intensiv, dabei nicht übertrieben saturiert. Doch damit nicht genug: Die wirklich große Stärke der Kamera sind Bilder in eher schlechten Lichtverhältnissen, also zum Beispiel in der Dämmerung. Hier holt das Gerät das Maximale aus der Kamera heraus. Aber auch bei fast totaler Dunkelheit gehen die Bilder noch völlig in Ordnung, wie ihr in der zweiten Galerie seht: Alle Bilder wurden ohne Blitz geschossen.





Die Kamera-Einheit kommt mit zwei weiteren neuen Features: LED-Blitz (hallo, Zukunft!) und HD-Videoaufnahme. Dass Apple erst jetzt der Kamera einen Blitz spendiert ist fast schon skurril. Die HD-Videos sind die logische Weiterentwicklung der Videofunktion des 3G S in Verbindung mit dem schnelleren Prozessor. Bei 30fps machen die Videos einen sehr guten Eindruck, der empfindliche Sensor hilft bei der Qualität. Unsere beiden Beispiel-Videos haben wiur am frühen Morgen aufgenommen, mit zum Teil heftigem Gegenlicht der gerade aufgehenden Sonne.







Auch auf der Vorderseite findet sich eine Kamera. Die kann zwar nur VGA-Auflösung, ist ja aber auch vor allem für die Videotelefonie gedacht: FaceTime! Wir ersparen euch hier unsere grinsenden Gesichter im Beweis-Video, kurz und knapp: Es funktioniert. Man ruft seinen iPhone4-Buddy an, schaltet auf FaceTime und in diesem Moment endet der Telefonanruf, die Videokonferenz ist komplett kostenlos, da sich eh beide iPhones in einem WLan befinden müssen. Das Hin und Herwechseln zwischen beiden Kameras funktioniert ebenfalls famos und auch wenn es am Anfang enorm befremdlich wirkt, jenseits von Skype oder iChat jetzt plötzlich sein Gegenüber sehen zu können, macht es Spaß. Interessant wird es, wenn sich Apple mit den Mobilfunkern über die Nutzung per 3G einigt, und vor allem, was das dann kosten wird. Und noch spannender wird es, ob das dann auch ruckelfrei funktioniert.


DISPLAY

Ihr wisst bereits, dass das Display des neuen iPhones die vierfache Pixel-Dichte hat. Apple nennt ihr neues Fenster in das Telefon das "Retina-Display" und mit 960x640 Pixeln und einem Kontrastverhältnis von 800:1 auf einem hintergrundbeleuchteten LED-Display kann man einiges erwarten. Um ein "Wow" kommt man in der Tat nicht drum herum, wenn man das neue Handy zum ersten Mal anschaltet. Die Auflösung ist schlicht sensationell. Das Problem ist, dass man nie wieder den Schritt zurückgehen kann, geschweige denn will, weil man ganz automatisch nach Unschärfen sucht. Wichtig auch, und das sieht man gut in unserem Screenshot, dass die Entwickler ihre Apps natürlich an die neuen Möglichkeiten anpassen müssen, sonst, hallo Engadget-App, ist die Rasterung deutlich sichtbar.

Das neue Display hilft in vielen Situationen. So lässt sich auch kleinerer Text ohne großes Hineinzoomen viel besser lesen. Und dank dem Verzicht auf OLED-Technologie beim Display, lässt sich auch bei stärkerem Sonnenlicht noch deutlich mehr erkennen auf dem iPhone 4 als bei vergleichbaren Flagship-Telefonen.

SOFTWARE / iOS 4

Die neue Version vom iOS, die Nummer 4, macht das iPhone und den aktuellen iPod touch Multitasking-fähig. Auch das 3G S profitiert dank dem ARM-Prozessor von diesem neuen, lang erwarteten Feature. Gelöst ist die Umsetzung sehr clever: Per Doppelklick auf den Home-Button schiebt sich die Liste der offenen, bzw. zuletzt verwendeten Programme in den unteren Bereich des Displays, so lässt sich zwischen Apps wechseln. Die zuletzt aktive steht dabei immer links. Apps begrüßen einen darüber hinaus immer an genau der Stelle, an der man sie verlassen hat. Der visuelle Effekt beim Wechsel ist dabei ein zusätzliches Schmankerl. Gewöhnt hat man sich an diesen Vorgang im Nu, Apple beweist hier elegant, wie man Multitasking umsetzen kann. Dazu kommt standardisierte Kontrolle für den iPod und ein Orientation-Switch, der auf Wunsch das Wechseln zwischen Portrait- und Landscape-Darstellung verhindert.



Weitere Neuerungen im iOS 4 sind zahlreich und jeder wird sich da seine Highlights raussuchen, wir uns ist es ganz eindeutig die eine Inbox für alle E-Mail-Accounts, die nun wirklich seit Version 1.0 überfällig war. E-Mails gesammelt auf einem Blick, organisiert in Conversations. Das war knapp, Apple, sehr knapp.



FAZIT

Apple hat die Welt mit dem iPhone 4 nicht neu erfunden. Im Gegenteil: Mit der vierten Generation des iPhones hat Cupertino den Anschluss an aktuelle Standards der Smartphone-Industrie endlich wieder geschafft. Und gleichzeitig die Konkurrenz eindeutig auf die Plätze verwiesen. Wundervolle Design, das beste Display auf dem Markt, Multitasking überzeugend umgesetzt. Dazu kommt die neue Kamera, die trotz der 5 Megapixel enorm gute Bilder macht, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen. Auch die mit der Kamera aufgenommenen Videos in HD machen einen hervorragenden Eindruck und dank iMovie kann man die jetzt sogar direkt auf dem Handy editieren und abrunden. Auch das funktioniert überraschend gut. Wer sich im Ökosystem von Apple wohlfühlt, wird am iPhone 4 nicht vorbeikommen. Wer sich von Cupertino in Sachen iTunes etc. aber zu sehr gegängelt fühlt, den wird auch das neue iPhone nicht zum Konvertieten machen. Was die totale Integration anbelangt, kann sich Android, also unserer Meinung nach die wichtigste Konkurrenz für Apple und das iPhone, aber weiterhin wweit, weit hinten anstellen.

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